Demokratie & Gerechtigkeit

Putins Krieg: 6 Schritte zum Umgang mit Desinformation

Der Einmarsch in die Ukraine hat die Schleusen für Desinformationen geöffnet. Folge unserem 6-Schritte-Leitfaden, um dich zu schützen und zu verhindern, dass du von unseriösen Nachrichten mitgerissen wirst.

von Eleanor Brooks

Desinformation spielt bei der russischen Invasion in der Ukraine eine überragende Rolle und es gibt immer mehr Beweise dafür, dass die Russen von ihrer Regierung und den staatlich kontrollierten Medien bewusst in die Irre geführt werden. Die russische Propaganda wird auch von staatlichen Medien in der Europäischen Union verstärkt, zum Beispiel in Ungarn.

Desinformation stellt auch in Friedenszeiten eine große Bedrohung für demokratische Gesellschaften dar. Widersprüchliche Versionen von Ereignissen trüben das Bild, was es den Menschen erschwert, die Wahrheit über das, was passiert, zu erfahren. Ohne ein genaues Bild ist es für die Bürgerinnen und Bürger schwieriger, ihre Stimme zu erheben und sich zu Themen, die ihnen wichtig sind, Gehör zu verschaffen. Desinformation kann auch die öffentliche Debatte verzerren und freie und faire Wahlen gefährden.

Was ist Desinformation?

Desinformation ist eine falsche Information, die mit der Absicht verbreitet wird, Menschen in die Irre zu führen. Diejenigen, die solche "Nachrichten" verbreiten, wissen, dass sie falsch sind und beabsichtigen, ihr Publikum zu täuschen. Im Gegensatz zu Fehlinformationen (irreführende, ungenaue oder völlig falsche Informationen, die weitergegeben werden, ohne dass die Person weiß, dass sie falsch sind), geschieht das Teilen von Desinformationen nicht aus Naivität. Vielmehr steht dahinter die bewusste Absicht, durch die wissentliche Verbreitung falscher Inhalte Spaltung zu verursachen und Angst zu schüren.


6-Schritte-Leitfaden zum Thema Desinformation

Verschwörungstheorien werden in letzter Zeit immer raffinierter. Deshalb ist es wichtig, dass du gegenüber allen Online-Inhalten, die du konsumierst, eine kritische Haltung einnimmst, um vor Desinformation gewappnet zu sein. Bevor du etwas weitergibst, solltest du einen Moment innehalten und diese Checkliste durchgehen.

1. Kenne deine Autorin bzw. deinen Autor

In einem ersten Schritt solltest du dir überlegen, wer der Autor / die Autorin ist.

Gilt er oder sie als glaubwürdig? Gibt diese Person nur ihre Meinung wieder bzw. teilt sie "anekdotische Beweise"? Bei Informationen, die über soziale Medien, Messaging-Apps und Foren verbreitet werden, solltest du besonders vorsichtig sein.

Nur weil jemand eine hohe Followerzahl oder ein verifiziertes Konto in den sozialen Medien hat, heißt das nicht unbedingt, dass seine Inhalte vertrauenswürdig sind. Besonders vorsichtig solltest du bei Accounts sein, die erst seit kurzem auf der Plattform vertreten sind.

2. Kenne deine Plattform

Auf welcher Plattform oder in welchem Kanal hast du die Informationen gefunden? Überprüfe die Vertrauenswürdigkeit der Plattform, die du nutzt, und vergleiche die Informationen mit anderen Quellen.

Wenn du etwas in den sozialen Medien liest, überprüfe, ob dieselbe Geschichte auch von größeren, etablierten Nachrichtenagenturen veröffentlicht wird. Wenn du eine Geschichte in einem politisch extremen Medium liest, wird sie dann auch in anderen Nachrichtenkanälen veröffentlicht?

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3. Überprüfe die Beweise

Wird die Behauptung durch zuverlässige Beweise gestützt? Sieh dir die angebotenen Beweise genau an - stimmen die Details mit der aktuellen Geschichte überein, z. B. Ort, Wetter, Umgebung? Achte auf wiederverwendete Inhalte aus einem älteren Nachrichtenartikel oder einem ganz anderen Ereignis.

4. Überprüfe Bilder und Videos

Wenn du den Verdacht hast, dass die Beweise zweifelhaft sind, höre auf deinen Instinkt. Es gibt viele Tools und Strategien, mit denen du überprüfen kannst, ob ein Bild oder ein Video echt ist.

  • Prüfe, ob ein Bild mit Photoshop oder ähnlichen Programmen bearbeitet wurde: Indem du die Metadaten eines Bildes überprüfst, kannst du feststellen, ob es manipuliert wurde. Verwende EXIF-Tools auf deinem Smartphone, wie z.B. die App ExifWizard
  • Umgekehrte Bildersuche: Mach einen Screenshot und suche das Bild mit dem Google-Tool für umgekehrte Bildersuche oder anderen ähnlichen Tools wie Tineye.com oder der Google-Erweiterung RevEye

5. Überprüfe deine Fakten!

Wenn dir eine Geschichte verdächtig vorkommt, gibt es viele vertrauenswürdige fact-checking Websites, die Verschwörungstheorien und Fehlinformationen entlarven.


6. Melde es!

Wenn du eine gefälschte Online-Story entdeckst, melde sie der Plattform und sende sie an eine Website zur Überprüfung der Fakten. Wenn jemand aus deinem Freundeskreis die Geschichte gepostet hat - schicke ihm diesen Leitfaden!


Warum ist es wichtig, Desinformation zu bekämpfen?

Ausgerüstet mit deinem mächtigen Werkzeugkasten fragst du dich vielleicht, ob das alles nicht ein bisschen zu viel des Guten ist. Nein, ist es nicht, denn gerade jetzt müssen wir wachsam sein. Deshalb hat sich Liberties intensiv für eine EU-Gesetzesreform zur Bekämpfung von Desinformation eingesetzt. Die Zwillingskrisen der Covid-19-Pandemie und des Einmarsches in der Ukraine waren ein Nährboden für Verschwörungstheorien und Desinformation. Infolgedessen haben selbst wohlmeinende Menschen durch die Verbreitung von Unwahrheiten und manipulierten Inhalten Fehlinformationen verbreitet.

Desinformationen streuen die Saat des Misstrauens aus, aber erst wenn Menschen sie glauben und weitergeben, können sie ihr ganzes zersetzendes Potential entfalten. Indem du dich gegen Desinformation wehrst und sie meldest, trägst du deinen Teil zum Schutz der Demokratie bei. Erkenne sie und halte sie auf!

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