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Künstliche Intelligenz für Dummys - Ein Leitfaden für Einsteiger

Was ist künstliche Intelligenz? Warum ist sie künstlich? Ist sie wirklich intelligent? So viele Fragen. Wir liefern dir die Antworten.

von Aszodi Nikolett
Artificial intelligence

Künstliche Intelligenz (häufig einfach als "KI" bezeichnet) ist kein neues Phänomen, aber erst seit kurzem in aller Munde. Wenn dich die vielfältigen - oft sogar widersprüchlichen - Erklärungen was KI eigentlich sein soll verwirren, bist du völlig normal. Angesichts der Tatsache, dass keine Einigkeit über die Definition von künstlicher Intelligenz besteht und dass sich die Technologie, die unter diesem Oberbegriff zusammengefasst wird, in einem rasanten Tempo verändert, ist schwierig zu fassen, was künstliche Intelligenz wirklich ist. In diesem Artikel werden wir versuchen, ein wenig Licht auf die Frage zu werfen, was künstliche Intelligenz bedeutet, ob sie eine gute oder schlechte Sache ist und was wir in Zukunft von ihr zu erwarten haben.


Eine kurze Geschichte der künstlichen Intelligenz

In den frühen 1950er Jahren revolutionierten John von Neumann und Alan Turing die Computer des 19. Jahrhunderts und konstruierten die Architektur unserer heutigen Maschinen. In Kombination mit der Suche nach Möglichkeiten, die Funktionsweise von Maschinen und Menschen zusammenzubringen, entstanden in dieser Zeit neue Visionen darüber, was Computer erreichen könnten. Eine im Jahr 1956 von John McCarthy und Marvin Minsky ausgerichtete Veranstaltung sollte eine Diskussion über Möglichkeiten anregen, die sich aus diesen technologischen Fortschritten ergaben. Während dieses Workshops wurde auch der Begriff "künstliche Intelligenz" geprägt.

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Die Entwicklung der künstlichen Intelligenz ist eng mit den Entwicklungen in der Informatik verbunden. Computern waren nun in der Lage komplexe Aufgaben auszuführen, die sie vorher nicht bewältigen konnten. Von 1957 bis 1974 wurden die Computer schneller, billiger, zugänglicher und konnten mehr Informationen speichern. Auch aus heutiger Sicht ziemlich unrealistische Aussagen wie Minskys Behauptung im Jahr 1970, dass "wir in drei bis acht Jahren eine Maschine mit der allgemeinen Intelligenz eines durchschnittlichen Menschen haben werden", waren wesentlich, um die Popularität der künstlichen Intelligenz in der Öffentlichkeit zu steigern und die Finanzierung der Forschung auf diesem Gebiet zu erhöhen.

Als die Jahre vergingen und sich Minskys Versprechen als leere Worte herausstellten, verloren die Menschen das Interesse an künstlicher Intelligenz. Dies wurde besonders deutlich, als in den 1990er Jahren der Begriff "Künstliche Intelligenz" fast zum Tabu wurde und durch präzisere Varianten wie "Advanced Computing" ersetzt wurde. Die aktuelle "Renaissance" in der Entwicklung der künstlichen Intelligenz ist auf die Verbesserung der Rechenleistung und die riesige Menge an verfügbaren Daten zurückzuführen.

Was sind die wichtigsten Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz?

In den 1990er und 2000er Jahren erreichten Computer einige bahnbrechende Leistungsmarken. Im Jahr 1997 wurde der Schachweltmeister Gary Kasparov von IBMs Schachspielprogramm Deep Blue besiegt. Im selben Jahr wurde in Microsofts Windows-Betriebssystem eine Spracherkennung implementiert. Im Jahr 2011 gewann IBMs Watson die Spielshow "Jeopardy" und besiegte die ehemaligen Champions Brad Rutter und Ken Jennings.

Solche Ereignisse werden oft hervorgehoben, um zu suggerieren, künstliche Intelligenz sei schlau. Fälle, die eher für das Gegenteil stehen, erhalten meist weniger Aufmerksamkeit. So zum Beispiel der Reinfall, als in einem japanischen Hotel die menschlichen Angestellten durch Roboter mit künstlicher Intelligenz ersetzt wurden, um die Gäste zu bedienen. Die Testphase musste vorzeitig beendet werden, weil die " nervigen" Roboter für Chaos sorgten. Heute ist künstliche Intelligenz allgegenwärtig: Wir haben virtuelle persönliche Assistenten, auf künstlicher Intelligenz basierende Systeme entscheiden, ob unser Kreditantrag angenommen oder abgelehnt wird, und künstliche Intelligenz kann sogar helfen, unsere Abschlussnote in der Schule zu bestimmen.

Was bedeutet KI? Eine Definition von künstlicher Intelligenz für Dummies

Die Science-Fiction-Szene und Futuristen suggerieren gerne, dass künstliche Intelligenz auf finstere Roboter hinausläuft, die davon besessen sind, die Menschheit auszurotten. Es macht Spaß, über solche Fantasien nachzudenken, aber sie vermitteln uns dennoch einen falschen Eindruck davon, was künstliche Intelligenz eigentlich ist.

Vielleicht ist die folgende Beschreibung nicht knackig genug, um es nach Hollywood zu schaffen, aber wir können feststellen, dass künstliche Intelligenz eine komplizierte Gleichung ist, die darauf ausgelegt ist, eine Entscheidung zu treffen, indem sie Kriterien auf Teile von Informationen anwendet.

Schauen wir uns an, was es bedeutet, wenn künstliche Intelligenz dazu verwendet wird, Angestellte einzustellen. Stell dir vor, du musst jemanden für eine Rolle mit spezifischen Anforderungen einstellen. Um ein KI-basiertes System für diesen Zweck zu erstellen, musst du die Anforderungen, die der Job mit sich bringt, in einen Algorithmus einspeisen. Wie machst du das? Nun, am einfachsten ist es, wenn du frühere Lebensläufe in den Algorithmus einspeisen kannst - sowohl von erfolgreichen als auch von erfolglosen Bewerbern. Dadurch erhält die Software Beispiele dafür, was eine erfolgreiche Bewerbung ausmacht. Dann werden alle eingehenden Bewerbungen von deiner künstlichen Intelligenz gescreent und sie entscheidet, welche Bewerbungen an einen Mitarbeiter der Personalabteilung weitergeleitet werden und welche direkt abgelehnt werden.

Erinnert ihr euch an den Einstellungsskandal bei Amazon, bei dem festgestellt wurde, dass Frauen diskriminiert wurden? Da die Lebensläufe, mit denen der Algorithmus gefüttert wurde, von bestehenden Mitarbeitern stammten und diese überwiegend männlich waren, legte der Algorithmus seine Kriterien für den perfekten Kandidaten als männlich fest. Er lehnte jede Bewerbung, die das Wort "Frau" enthielt, direkt ab. Du könntest fragen, warum dann nicht einen Algorithmus entwerfen, der inklusive Kriterien anwendet? Nun, im Moment ist es ungewiss, ob das überhaupt machbar ist.

Das Erschreckende ist - und das fanden Experten schon in den 80er Jahren alarmierend - wir wissen nicht, wie die Maschine denkt. Das nennt man den Black-Box-Effekt. Gemeint ist damit das Problem, dass Daten in das System gehen, dieses sie wiederum verarbeitet und als Output neue Daten generiert. Aber wir wissen nicht, wie genau es die Daten verarbeitet hat. Um die Technologie, die als künstliche Intelligenz definiert wird, besser zu verstehen, sollten wir den Begriff aufschlüsseln.

Neuronale Netze versuchen, Muster in einer Menge von Daten durch einen Prozess zu erkennen, der auf Schlussfolgerungen basiert - und das wird normalerweise als künstliche Intelligenz bezeichnet. Allerdings werden in den meisten Systemen keine neuronalen Netze eingesetzt, obwohl sie immer noch als "künstliche Intelligenz" bezeichnet werden. Um sie genauer zu beschreiben hat sich deshalb der Begriff "Automated-Decision-Making" (ADM) eingebürgert.

Nichtsdestotrotz wäre es oft essentiell zu wissen, wie Softwaresysteme Daten berechnen, gewichten und sortieren und wie sie eine Entscheidung treffen - denn ihre Entscheidungen können lebensverändernd sein.

Ist künstliche Intelligenz gut oder schlecht?

Es gibt Bereiche, in denen die Anwendung von KI-basierten Systemen produktiv ist. Künstliche Intelligenz kann bei sehr eng gefassten Aufgaben, die man wie Mathematik aussehen lassen kann, gute Arbeit leisten, etwa Schach spielen oder den Klimawandel modellieren. Unternehmen und Regierungen wollen sie aber für viele andere Aufgaben einsetzen, weil das billiger ist, als einen Menschen zu bezahlen.

"Das Problem beginnt, wenn die Menschen denken, die KI sei schlauer, als sie ist"

Dieses Zitat stammt von der Datenjournalistin Meredith Broussard, die auf die Ungerechtigkeiten aufmerksam macht, die dadurch entstehen, dass künstliche Intelligenz in Bereichen eingesetzt wird, die sie nicht verstehen kann und infolgedessen schlechte Entscheidungen trifft. Algorithmen können einen entscheidenden Teil unseres Wesens nicht verstehen - wie Moral, Kultur, Kunst, Geschichte oder Emotionen - da diese nicht in einer mathematischen Gleichung ausgedrückt werden können.

Einer der Orte, an denen künstliche Intelligenz viel eingesetzt wird, sind die Social Media Kanäle. Facebook nutzt zum Beispiel Algorithmen, um Inhalte, die gegen seine Regeln verstoßen, zu blockieren oder zu entfernen. Und das geht häufig schief. Der Guradian berichtete über ein animiertes Video, welches die die schwedische Krebsgesellschaft "Cancerfonden" auf Facebook geteilt hatte, in dem erklärt wird, wie Frauen selbst Brustuntersuchungen durchführen können, dass die Plattform mit der Erklärung, dass "Ihre Anzeige weder Sexprodukte oder -dienstleistungen noch Produkte oder Dienstleistungen für Erwachsene vermarkten darf", blockiert hat. Auch das historische Bild, auf dem ein nacktes Mädchen auf der Flucht vor einem Napalmangriff im Vietnamkrieg zu sehen ist, wurde von Facebook wegen Nacktheit zensiert. Ein Tool, das nicht in der Lage ist, zwischen medizinischen Informationen und sexuellen Inhalten oder zwischen Geschichte und Kinderpornografie zu unterscheiden, hat nicht nur klare Mängel, sondern verletzt durch Online-Zensur unsere Meinungsfreiheit.

Ausblick auf die Zukunft

Der technologische Fortschritt ist unausweichlich. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass künstliche Intelligenz in vielen Bereichen Anwendung finden wird und dass diese sich exponentiell entwickelnde Technologie sich selbst diversifizieren wird. Wir müssen jedoch genau beobachten, wie sich die KI weiterentwickelt, um sicherzustellen, dass sie einwandfrei funktioniert und, dass ihr Einsatz unsere Grundrechte nicht bedroht. Zum Beispiel sollten wir dafür sorgen, dass Algorithmen von unabhängigen Stellen geprüft werden, um sicherzustellen, dass sie fair arbeiten. Unser Leben wird zunehmend mit KI-basierten Systemen verwoben. Da künstliche Intelligenz in verschiedenen Bereichen eingesetzt wird, um wichtige Entscheidungen über uns und unser Leben zu treffen, müssen wir unbedingt sicherstellen, dass diese Technologie zu unser aller Nutzen funktioniert. In zukünftigen Artikeln werden wir uns mit den Auswirkungen von KI-basierten Systemen auf unsere individuellen bürgerlichen Freiheiten und die Gesellschaft als Ganzes beschäftigen.