Demokratie & Gerechtigkeit

Was ist Diskriminierung: Definition, Formen, Beispiele, Kürzung

Diskriminierung innerhalb einer Gesellschaft führ dazu, dass wir nicht alle den gleichen Zugang zu unseren Rechten und Chancen haben. Trotzdem ist sie noch immer ein großes Problem. Was können wir tun?

von Franziska Otto


Was ist Diskriminierung?

Unter Diskriminierung versteht man jede Form schlechterer Behandlung oder Benachteiligung aufgrund von ethnischer Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität. Dabei ist egal, ob die Benachteiligung unabsichtlich und unbewusst oder mit bösen Absichten erfolgt.

Häufig wird die Gesellschaft in Gruppen unterschieden, zum Beispiel “die Juden” oder “die Türken”, und dieser Gruppe wird eine gemeinsame Identität aufgedrückt, um sie dadurch von der Mehrheitsgesellschaft zu unterscheiden. Diese empfundene “Andersartigkeit” ist dann die Grundlage der Diskriminierung.

Gleiche Behandlung ist ein Grundsatz unserer Demokratie, denn sie ermöglicht allen Menschen den gleichen Zugang zu ihren Rechten. Diskriminierung ist daher ein großes Problem, das uns alle angeht.

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Welche Arten der Diskriminierung gibt es?

Institutionelle Diskriminierung

Institutionelle Diskriminierung bezieht sich auf die internen Regeln und Abläufe von Institutionen. Gemeint ist die Abgrenzung und Abwertung durch Organe des Staates wie Behörden, der Polizei oder Schulen, durch die Angehörige von bestimmten Bevölkerungsgruppen benachteiligt werden.

Es geht aber nicht darum, dass sich zum Beispiel ein einzelner Polizist rassistisch äußert, auch wenn dies ebenfalls nicht hinzunehmen ist. Vielmehr ist damit gemeint, wenn Abläufe innerhalb der Polizei diskriminierend sind. Als zum Beispiel im Rahmen der Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds neun Migranten und eine Polizistin ermordeten, fahndete die Polizei vor allem im Umfeld der Opfer und ignorierte Hinweise, die auf eine rechtsterroristische Tat deuteten. Sonderkommissionseinheiten trugen Namen wie “Halbmond” und “Bosporus”.

Strukturelle Diskriminierung

Strukturelle Diskriminierung geht über einzelne Institutionen hinaus und bezieht sich auf die Organisation der Gesellschaft insgesamt. Gemeint sind Strukturen oder auch Vorstellungen davon, wie bestimmte Bevölkerungsgruppen sind, die tief in der Gesellschaft verankert sind. Strukturelle Diskrimierung kann überall vorkommen und wird meist nicht hinterfragt, da sie als “normal” angesehen wird.

Unmittelbare Diskriminierung

Unmittelbare Diskriminierung meint, wenn sich die Benachteiligung direkt auf eines der oben erwähnten Merkmale zurückführen lässt, also zum Beispiel wenn einer Frau gekündigt wird, weil sie schwanger ist, oder wenn einer Person wegen ihrer ethnischen Herkunft die Mitgliedschaft in einem Verein verweigert wird.

Mittelbare Diskriminierung

Im Gegensatz zur unmittelbaren Diskriminierung ist mittelbare Diskriminierung subtiler. Sie erfolgt nicht offensichtlich aufgrund bestimmter Merkmale, sondern aus scheinbar neutralen Gründen. Das heißt aber nicht, dass diese Form der Benachteiligung keine Auswirkungen hat. Die Effekte wirken sich trotzdem so aus, dass bestimmte Gruppen in der Bevölkerung eher benachteiligt werden als andere. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn in der Stellenanzeige für einen Job explizit erwähnt wird, dass man akzentfrei deutsch sprechen muss, obwohl man vielleicht überhaupt keinen Kontakt zu Kunden hat und es insgesamt für den Job nicht relevant ist. Damit werden Menschen, die nicht ursprünglich aus Deutschland stammen, benachteiligt.

Mehrfachdiskriminierung

Diskriminierung kann nicht nur aufgrund eines Merkmals erfolgen. Viele von uns vereinen mehrere Merkmale in uns, wegen denen man benachteiligt werden kann. Frauen, die einen Hijab tragen etwa, oder Menschen mit einem Migrationshintergrund, die eine Behinderung haben. Bereits eines dieser Merkmale würde dazu führen, dass sie es in bestimmten Situationen, etwa auf Jobsuche, schwieriger haben. Die Tatsache aber, dass sie zwei, drei oder mehr Merkmale aufweisen, macht es ihnen noch schwerer.

Beispiele für Diskriminierung

Wie sieht Diskriminierung am Arbeitsplatz aus? Was kann man dagegen tun?

Zwar haben wir alle, laut Gesetz, das gleiche Recht auf einen Zugang zu einem Arbeitsplatz oder einer Karriere, in der Realität sieht dies leider anders aus.

Frauen haben es immer noch deutlich schwerer, Karriere zu machen, als Männer. Wenn man sich die internen Strukturen vieler Unternehmen anschaut, fällt einem auf, dass mit jeder höheren Ebene der Anteil an Frauen abnimmt. Aktuell sind nur ca. 19 % der Vorstände in DAX Unternehmen Frauen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Häufig beziehen Frauen ein geringeres Einkommen als ihre männlichen Partner, weswegen sie öfter nach der Geburt eines Kindes zuhause bleiben. Auch wenn die Kinder etwas älter sind, ist es meistens schwierig, einen Platz in einem Kindergarten zu finden. Insgesamt zählt eine Schwangerschaft immer noch als “Karriere-Killer” und kann sich negativ auf die Entwicklung des Gehalts auswirken.

Diskriminierung innerhalb von Unternehmen kann ganz unterschiedlich aussehen. Sie kann als vermeintlich harmloser Witz daherkommen oder es werden einer Person aktiv Chancen verbaut. Und auch schon vor dem Start eines neuen Jobs kommt es zu Diskriminierung. Menschen mit einem Migrationshintergrund haben schlechtere Chancen, zu einem Vorstellungsgespräch oder einem Probearbeiten eingeladen zu werden als Menschen mit einem deutsch klingenden Namen. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung in 2018.

Wenn man selber Opfer von Diskriminierung geworden ist, sollte man dies in einem ersten Schritt an den Personal- oder Betriebsrat oder eine andere innerbetriebliche Beschwerdestelle melden. Arbeitgeber sind nämlich dazu verpflichtet, vor Diskriminierung zu schützen.

Aber nicht immer ist Diskriminierung ein bewusster Akt. Manchmal ist sie auch ein Ausdruck von verinnerlichten Vorurteilen. Deshalb sind auch Trainings für mehr kulturelles Verständnis oder Anti-Rassismus Arbeit sehr wichtig. Sie können für solche Vorurteile sensibilisieren und dadurch dabei helfen, eigenes Verhalten zu überdenken und zu ändern.

Diskriminierung in der Schule

Auch in der Schule sind viele Schülerinnen und Schüler nicht sicher vor Diskriminierung. In einer repräsentativen Umfrage derAntidiskriminierungsstelle des Bundes aus dem Jahr 2016 gaben knapp 24 % der Befragten an, in den letzten zwei Jahren Diskriminierung im Bildungsbereich erlebt zu haben.

Diskriminierung im Bildungsbereich kann von vielen Stellen ausgehen. Sie kann unter Schülerinnen und Schüler geschehen. Sie kann vom Lehrpersonal, bewusst oder unbewusst, ausgehen. Eine empirischeStudie der Universität Oldenburg aus dem Jahr 2009 hat gezeigt, dass bereits der Name eines Kindes Auswirkungen darauf hat wie es von Lehrerinnen und Lehrern bewertet wird. Namen wie “Charlotte” und “Maximilian” sind in ihrem Bewusstsein eher mit leistungsstarken und verhaltensunauffälligen Kindern verbunden, wohingegen Namen wie “Kevin” und “Mandy” eher mit Leistungsschwäche in Verbindung gebracht werden.

Schulgebäude, die nicht barrierefrei gebaut sind, machen es unmöglich für Schülerinnen und Schüler mit Behinderung, diese Schule zu besuchen. Häufig müssen sie sogenannte Förderschulen besuchen und werden dadurch von Gleichaltrigen ohne Behinderung isoliert.

Kinder, die in der Schule mit Vorurteilen konfrontiert werden, entwickeln ein Gefühl der Einschüchterung, welches sich dann auf ihr Verhalten auswirkt. Sie haben Angst, dass das eigene Verhalten diese Vorurteile hervorruft. Auch werden Kindern durch diese Vorurteile ganz konkret Bildungschancen verbaut. Wenn ein Junge keine Gymnasialempfehlung bekommt, weil ihm diese Schulform aufgrund der ethnischen Herkunft nicht zugetraut wird, hat dies reale Auswirkungen auf seinen weiteren Lebensweg. Daher muss Antidiskriminierung ein Bestandteil der schulischen Ausbildung sein und auch Lehrerinnen und Lehrer mehr dafür sensibilisiert werden.

Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt

In vielen Städten ist es ohnehin extrem schwierig, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt macht die Sache für viele Menschen noch schlimmer. Gerade rassistische Diskriminierung ist weit verbreitet. Bei einer Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes aus dem Jahr 2020 berichteten 35 % der Wohnungssuchenden mit Migrationshintergrund von Diskriminierung. Auch sogenannte Testing Studien, Studien, bei denen zwei Bewerbungen auf eine Wohnung verschickt werden, die bis auf den Namen gleich sind, bestätigen, dass Menschen mit Migrationshintergrund bei der Wohnungssuche benachteiligt werden. So erhalten zum Beispiel Bewerber und Bewerberinnen mit türkischem Namen seltener eine Antwort, wenn sie sich auf Wohnungsanzeigen melden, als solche mit deutschem Namen - trotz vergleichbarem beruflichen Status.

Was ist der Unterschied zwischen Rassismus und Diskriminierung?

Ursprünglich war mit Rassismus die Ideologie gemeint, dass man Menschen aufgrund biologischer Merkmale in “Rassen” einteilen könnte. Diese Einteilung wurde dann genommen, um bestimmte Rassen als besser als andere zu definieren. Heute ist mit Rassismus jede Unterscheidung oder Ausschließung wegen der Hautfarbe, Abstammung oder nationalen Herkunft gemeint.

Diskriminierung kann also eine Art sein, wie sich Rassismus äußert. Man spricht auch von rassistischer Diskriminierung. Die beiden Phänomene lassen sich nicht genau voneinander trennen und es gibt Überschneidungen. Im Allgemeinen ist Diskriminierung aber der breiter gefächerte Begriff, da neben der Hautfarbe und ethnischen Herkunft auch andere Komponente mit gemeint sind, wie das Alter oder das Geschlecht.

Wie regeln Gesetze Diskriminierung?

In Deutschland gibt es eine Reihe von Gesetzen, die sich mit Diskriminierung bzw. Anti-Diskriminierung auseinandersetzen.

Besonders wichtig ist Artikel 3 des Deutschen Grundgesetzes der besagt, dass niemand wegen seines Geschlechts, Abstammung, Rasse, Sprache, Heimat und Herkunft, Glaubens, religiösen oder politischen Weltanschauung oder Behinderung benachteiligt werden darf. Außerdem besagt er, dass der Staat auf die Gleichberechtigung von Mann und Frau hinwirkt. Gleichbehandlung ist damit ein Grundrecht in Deutschland.

Darüber hinaus gibt es das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), welches regelt, was aus juristischer Sicht als Diskriminierung zählt. Das AGG spricht nicht von Diskriminierung, sondern von Benachteiligung, da nicht jede unterschiedliche Handlung, die einen Nachteil zur Folge hat, diskriminierend sein muss. Das Gesetz schützt Menschen davor, aufgrund der oben genannten Merkmale im Arbeitsleben oder im Alltag benachteiligt zu werden.

Seit 2017 gilt außerdem das Entgelttransparenzgesetz, welches dabei helfen soll, mehr Lohngleichheit zwischen Männern und Frauen zu erreichen. Noch immer verdienen Männer mit ähnlichen Qualifikationen und in ähnlichen Berufen mehr Geld als Frauen es tun (ca. 6 %). Es ergänzt damit das AGG. Das Gesetz verpflichtet Arbeitgeber unter anderem dazu offenzulegen, nach welchen Kriterien das Gehalt bestimmt wird.

Diskriminierung in Deutschland: Wie schlimm ist die Situation?

Diskriminierung ist in Deutschland ein Problem. Auch wenn es mehrere Gesetze gibt, die sie formell untersagt, erleben viele Menschen sie Tag für Tag.

In einem gemeinsamen Bericht der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, dem Beauftragen der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung und der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, der einen Zeitraum von 2017 bis 2021 umfasst, wird besonders deutlich, wie weit verbreitet Diskriminierung in Deutschland noch immer ist. Es gab über 16.000 Beratungsanfragen, die sich auf die im AGG genannte Merkmale beziehen. Im Jahr 2020 gab es sogar einen signifikanten Anstieg an Anfragen (78 % im Vergleich zum Vorjahr). Besonders häufig waren die Betroffenen Opfer von rassistischer Diskriminierung oder Diskriminierung aufgrund einer Behinderung.

Wenn man davon ausgeht, dass sich viele Betroffene keine Hilfe durch Beratungsangebote suchen oder Diskriminierung anderweitig anzeigen, ist diese Zahl erschreckend hoch.

Auch Racial Profiling ist ein Problem, also Polizeikontrollen aufgrund rassistischer Zuschreibungen. Die Datenlage zu dem Thema ist zwar schlecht, doch eine Studie der Universität Bochum aus dem Jahr 2020 zeigt, dass People of Colour häufiger Polizeikontrollen erleben.


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Ana Carolina Mantelli from Pixabay