Litauische Schulbücher vermitteln Geschlechterstereotypen

Das Büro der litauischen Gleichstellungsbeauftragten und eine Expertengruppe haben 32 Lehrbücher für Schüler der Klassen 6 und 7 geprüft und bestätigt, dass sie Kindern Geschlechterstereotypen aufdrängen.

Lehrbücher zur Moralischen Bildung sind besonders stark betroffen

Obwohl in den Lehrbüchern für alle Fächer traditionelle Geschlechterstereotypen zu finden waren, fiel ein Lehrbuch über den katholischen Glauben mit dem heftigsten Kontrast zwischen den Geschlechtern auf. In diesem Buch standen Jungen und Männer jeden Alters fast immer im Mittelpunkt und spielten aktive Rollen.

Der Bericht stellt fest, dass sich Männer dadurch auszeichnen, dass sie eine Vielzahl von verschiedenen Rollen haben: Sie treiben Sport, sind an verschiedenen Aktivitäten interessiert, missachten Regeln, geben Ratschläge, reisen und verhalten sich ehrenhaft. In Ethikbüchern sind Charaktere, die sich an öffentlichen Aktivitäten beteiligen, häufiger Männer.

Frauen treten in den meisten Fällen als Nebenfiguren neben den Hauptfiguren, den Männern, in Erscheinung. Frauen werden beispielsweise eher als 'pflegend' und 'tröstend' dargestellt und weniger als eine von fünf Geschichten haben weibliche Hauptfiguren. Der Bericht hebt eine Reihe von Zitaten hervor:

"Ein Mann muss wissen, wie man sich verteidigt. Ein Mann muss sich für seine Taten verantworten."

" Aliukas, sei nicht wütend auf mich, sei ein Mann - weine nicht", sage ich zu ihm obwohl ich sehr gut weiß, dass ich ihn verletzt habe."

"Was ich mir am meisten wünsche ist, dass das (Auto) weiß ist und dass die ganze Klasse sieht, wie ich mich wie eine Prinzessin in das Auto meines Vaters setze <...>".

Geographie- und Geschichtsbücher heben männliche Leistungen hervor

Bei der Betrachtung der Materialien für den Geographieunterricht wurde deutlich, dass in ihnen die Darstellung von männlichen Leistungen dominiert. In Geschichtsbüchern wurden Frauen tendenziell ganz ausgelassen, wenn die Rede von historischen Persönlichkeiten war. Dies kann den falschen Eindruck erwecken, dass Frauen überhaupt nicht zur Geschichte beigetragen haben.

Es wurde auch festgestellt, dass bis auf wenige positive Ausnahmen, Frauen in den Lehrbüchern oft ohne die Nennung ihres Namens vorkommen, wodurch sie depersonalisiert werden.

Keines der untersuchten Lehrmaterialien erwähnte LGBT+-Personen, sei es im Hinblick auf die Leistungen dieser Gemeinschaft oder die breitere Entwicklung der Bürgerrechtsbewegung.

Der Bericht kommt zu der Empfehlung: "Damit die Studierenden Zugang zu qualitativ hochwertigem menschenrechtsbasiertem Lehrmaterial haben, ist es für bildungspolitische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger wichtig, die Gleichstellung der Geschlechter als ein grundlegendes Prinzip mit höchster Priorität zu betrachten und eine kohärente Strategie für deren Umsetzung zu entwickeln".

Wer Litauisch versteht findet hier mehr dazu.