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Wie wir über Ethnic Profiling sprechen sollten: Ein Leitfaden für Campaigner

Dieser Leitfaden richtet sich an Aktivisten, die öffentliche Unterstützung für ein Verbot des Ethnic Profiling mobilisieren wollen.

von Israel Butler

Was bietet dieser Leitfaden?

Neben anderen Hilfsmitteln stellt der Leitfaden zwei Narrative vor, die Aktivisten bei der Entwicklung von Kommunikationsmaterialien für ihre Kampagnen verwenden können. Narrative prägen das Denken der Menschen: was wir als wertvoll ansehen, wie wir uns die Welt wünschen, welche Situationen als schwierig angesehen werden und welche Lösungen wir uns vorstellen können. Die Narrative, die die öffentliche Debatte dominieren, werden zu dem, was gemeinhin als "gesunder Menschenverstand" gilt. Lade Dir den Leitfaden hier herunter.

Die Herausforderung: Autoritäre sind gut darin, die Narrative und Frames zu setzen

Kampagnen, die sich für ein Verbot von ethnischem Profiling einsetzen, haben es mit Gegnern zu tun, die geschickt im Umgang mit Framing sind. Regierungen mit autoritären Tendenzen verbreiten mit Hilfe von Teilen der Medien Narrative, die sorgfältig ausgearbeitet wurden, um öffentliche Ängste zu schüren. Ihre Politikerinnen und Politiker setzen Rassismus strategisch ein, um die Wähler nach rassischen Gesichtspunkten gegeneinander aufzubringen, indem sie falsche Stereotypen aufrechterhalten, die bestimmte ethnische Minderheiten als bedrohlich darstellen. Und dann gewinnen sie Wähler für sich, indem sie Ethnic Profiling als ihre Lösung für die Sicherheit der Öffentlichkeit verkaufen. Lade Dir den Leitfaden hier herunter.

Der Status Quo: Aktivisten tendieren nicht dazu, die Debatte neu zu gestalten

Aktivisten, die sich für Veränderungen einsetzen, können die Öffentlichkeit nur dann für sich gewinnen, wenn sie neue Narrative entwickeln, die unsere gemeinsame Vision davon betonen, wie das Leben aussehen sollte. Aber Aktivisten konzentrieren ihre Argumente für ein Verbot von Ethnic Profiling oft auf drei Argumente, die die dominanten Narrative nicht grundsätzlich hinterfragen. Erstens, dass es wegen des Schadens, den es ethnischen Minderheiten zufügt, verboten werden sollte. Zweitens, dass es verboten werden sollte, weil es auf der falschen Annahme beruht, dass das Ausmaß der Kriminalität in der Gesellschaft nicht gleich verteilt ist. Drittens, dass ethnisches Profiling ineffizient und unsicher ist, weil es polizeiliche Ressourcen von echten Verdächtigen ablenkt. Lade Dir den Leitfaden hier herunter.

Das Problem: Diese Argumente sind nicht die effektivsten, um eine breite öffentliche Unterstützung zu mobilisieren.

Einige dieser Argumente mögen bei Menschen wirksam sein, die sowieso schon auf der Seite der Aktivisten stehen. Und Argumente in Bezug auf die Effizienz können speziell gegenüber der Polizei überzeugend sein. Aber es ist unwahrscheinlich, dass sie eine breitere öffentliche Unterstützung für ein Verbot erreichen. Dafür gibt es drei Gründe. Erstens können Argumente über den Schaden für ethnische Minderheiten Sympathien wecken, die bestehende Unterstützer mobilisieren. Aber um eine größere Anzahl von Menschen zu bewegen, müssen Aktivisten Empathie wecken, indem sie die uns allen gemeinsame Menschlichkeit und unser gemeinsames Schicksal betonen. Zweitens werden sachliche Argumente über das Ausmaß der Kriminalität wahrscheinlich von einem breiteren Publikum abgelehnt, weil sie mit ihren Stereotypen kollidieren. Drittens betonen Argumente über die Effizienz die Weltsicht, dass die Gesellschaft ein gefährlicher Ort voller Kriminalität ist, was die Menschen dazu bringt, Einschränkungen der bürgerlichen Freiheiten zu befürworten.

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Ein Weg nach vorne: alternative Narrative

Dieser Leitfaden bietet Campaignern zwei alternative Narrative, um ihre Kommunikation zu untermauern. Die Gemeinschaftserzählung (The Community Narrativ) hebt Solidarität und Verbundenheit hervor. Sie ermutigt das Publikum, sich auf die Frage zu konzentrieren, in welcher Art von Nachbarschaft sie leben wollen und welche Rolle die Polizei beim Aufbau dieser Gemeinschaften spielt. Das Narrativ der Freiheit und des Respekts (The freedom and respect narrative) hebt Selbstbestimmung und Würde hervor. Es ermutigt das Publikum, sich darauf zu konzentrieren, das Individuen frei sein sollten, ihr Leben zu leben und dass alle Menschen von der Polizei mit Respekt behandelt werden sollten. Indem sie das Narrativ weg von Sicherheit und hin zu Gemeinschaft oder Freiheit bewegen, können Aktivisten ihr Publikum dazu anregen, über die Rolle der Polizei bei der Umsetzung dieser alternativen Werte nachzudenken.

Der Leitfaden bietet den Lesern auch Einblicke in mögliche Kommunikationsblockaden, die sie umschiffen müssen, und Techniken, um komplizierte Konzepte wie strukturellen Rassismus zu vermitteln. Die Ratschläge des Leitfadens basieren auf Forschung und Praxis aus den kognitiven Wissenschaften und der Arbeit von Campaignern, die für progressive Anliegen arbeiten.

Wir empfehlen Aktivisten, die sich mit ethnischem Profiling beschäftigen, auch die Open Society Justice Initiative, "Challenging ethnic profiling in Europe: A guide for campaigners and organisers', 2021

Lade Dir den Leitfaden von Liberties hier herunter.

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