Demokratie & Gerechtigkeit

Was ist Watchdog-Journalismus? Definition, Beispiele, Bedeutung für die Demokratie

Was ist Watchdog-Journalismus und warum ist er so wichtig für die Demokratie? In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die Journalisten, die dafür sorgen, dass sich unsere Politiker an die Spielregeln halten.

von LibertiesEU
Watchdog journalism bertie

Vielleicht hast du den Begriff "Watchdog" schon einmal gehört und denkst dabei an einen Wachhund, der dich und deine Interessen beschützt und für deine Sicherheit sorgt. Und genau das ist auch gemeint, wenn der Begriff auf Menschen oder Institutionen angewandt wird. Das gilt besonders für den Watchdog-Journalismus, der nicht nur interessante und wichtige Informationen an die Öffentlichkeit bringt, sondern auch dazu dient, die Demokratie zu erhalten, über die er wacht.

Was ist Watchdog-Journalismus: Definition

Watchdog-Journalismus ist Journalismus, der darauf abzielt, Transparenz und Rechenschaftspflicht von Politikern und anderen Personen des öffentlichen Lebens sowie von Institutionen zu erhöhen. Es handelt sich dabei um eine Form des investigativen Journalismus, die sich oft auf Faktenüberprüfung, Interviews und Recherchen stützt, um mehr Transparenz in ein Thema oder ein Ereignis zu bringen.

Der Begriff "Watchdog" wird oft mit Behörden, Organisationen oder Einzelpersonen, die eine Aufsichtsfunktion ausüben und sicherstellen, dass sich alle an die Spielregeln halten, in Verbindung gebracht. Liberties wird zum Beispiel als "Watchdog-Organisation" bezeichnet, weil wir das Verhalten von Regierungen und Unternehmen überwachen und öffentlich machen, um sicherzustellen, dass diese die Menschenrechte respektieren.

Welchen Zweck erfüllt der Watchdog-Journalismus?

Dem Watchdog-Journalismus kommt eine entscheidende Rolle in der Demokratie zu. Damit die Bürgerinnen und Bürger bei Wahlen eine fundierte Entscheidung treffen können, müssen sie genau wissen, was in ihrem Land los ist. Halten sich die Politiker an die Spielregeln, werden öffentliche Gelder veruntreut, üben Lobbyinteressen unlauteren Einfluss auf den Gesetzgebungsprozess aus - all das sind Fragen, die Watchdog-Journalist/innen zu beantworten versuchen.

Wir sind auf deine Unterstützung angewiesen, um dem Fehlverhalten von Politiker/innen etwas entgegenzusetzen spenden

So schützt der Watchdog-Journalismus kontinuierlich die Demokratie, indem er Fehlverhalten anprangert, wenn es passiert. Indem er die Bürgerinnen und Bürger informiert, trägt er außerdem dazu bei, die Integrität von Wahlen und die Gesundheit der Demokratie auf lange Sicht zu schützen. Allein das Vorhandensein von Watchdog-Journalismus ist bereits ein Zeichen für eine gesunde Demokratie. Wenn Journalisten die Freiheit haben, Politiker und Unternehmen unter die Lupe zu nehmen und ihre Ergebnisse ohne Einflussnahme oder Angst vor Repressalien zu veröffentlichen, bedeutet das, dass ihr Land über starke und unabhängige Medien verfügt. Und es ist kein Zufall, dass autoritaristisch gesinnte Politiker den Kampf gegen investigativen Journalismus zur Chefsache machen, sobald sie an der Macht sind.

Watchdog-Journalismus: Beispiele

Es gibt viele bekannte Beispiele für Watchdog-Journalismus, der Ereignisse aufgedeckt hat, die führende Politiker und Unternehmen zu Fall gebracht und zu tiefgreifenden Veränderungen geführt haben. Jedes dieser Beispiele unterstreicht neben der Bedeutung des Watchdog-Journalismus auch, wie wichtigeome freie und unabhängige Medienlandschaft im Allgemeinen ist.

Eines der bekanntesten Beispiele für Watchdog-Journalismus war der Watergate-Skandal, der 1974 den US-Präsidenten Richard Nixon zu Fall brachte. Die Journalisten Bob Woodward und Carl Bernstein, die für die Washington Post schrieben, wiesen mithilfe von Interviews und investigativen Recherchen Verbindungen zwischen der Nixon-Regierung und Einbrechern nach, die in das Hauptquartier der rivalisierenden Demokratischen Partei in Washington, D.C., eingebrochen waren.

2009 veröffentlichten Enthüllungsjournalisten der Zeitung The Telegraph Berichte über den weit verbreiteten Missbrauch von Spesen durch Parlamentsabgeordnete. Die Journalisten gingen etwa eine Million Seiten an Informationen durch und deckten einen massiven Missbrauch öffentlicher Gelder auf. Die Untersuchung belegte das Ausmaß dieses Amtsmissbrauchs und veranlasste mehr als 20 Abgeordnete, ihr Amt aufzugeben.

Im Jahr 2020 berichtete der simbabwische Journalist Hopewell Chin'ono über ausufernde Betrügereien im Gesundheitsministerium bei der Beschaffung von medizinischem Material zur Bekämpfung von COVID-19. Seine Arbeit führte dazu, dass der damalige Gesundheitsminister Obadiah Moyo entlassen und verhaftet wurde. Berichten zufolge wurden mehr als 60 Millionen Dollar veruntreut.

Die Arbeit der maltesischen Journalistin Daphne Caruana Galizia spielte in ihrem Land eine wichtige Rolle. Sie berichtete über Korruption, Veruntreuung von Geldern und Machtmissbrauch durch maltesische Politiker und über ihre zwielichtigen Beziehungen. Für ihre Arbeit wurde sie schikaniert, verklagt, unablässig verfolgt und schließlich, 2017, sogar ermordet.

Was denken die Menschen über Watchdog-Journalismus?

In Ländern mit starken Demokratien und einem gesunden, unabhängigen Medienmarkt steht die Öffentlichkeit dem Watchdog-Journalismus im Allgemeinen positiv gegenüber. Die Menschen sind der Meinung, dass investigative Journalistinnen und Journalisten frei sein sollten, ihre Arbeit zu machen und die von ihnen aufgedeckten Sachverhalte ohne Angst oder Einflussnahme zu veröffentlichen.

Meinungsumfragen in Großbritannien aus dem Jahr 2013 zeigen, dass die Menschen glauben, dass investigative Journalisten einen guten und wichtigen - wenn auch nicht immer starken - Einfluss auf ihre Demokratie haben.

Quelle: https://yougov.co.uk/topics/consumer/articles-reports/2013/10/31/impact-investigative-journalism

Pew Research hat herausgefunden, dass fast drei von vier Erwachsenen in den USA (73%) es für wichtig halten, dass Journalisten als Watchdogs ihre gewählten Vertreter kontrollieren.

Quelle: https://www.pewresearch.org/journalism/2020/02/26/most-say-journalists-should-be-watchdogs-but-views-of-how-well-they-fill-this-role-vary-by-party-media-diet/

Sogar in Ländern, in denen die Demokratien als nicht besonders stark oder gut etabliert gelten, ist die öffentliche Unterstützung für Watchdog-Journalist/innen groß. Afro-Barometer zeigt, dass die Mehrheit der Bevölkerung ihre Arbeit unterstützt.

Quelle: https://afrobarometer.org/publications/ad85-media_in_africa_world_press_freedom_day_2016

Welchen Einfluss hat Watchdog-Journalismus auf die Demokratie?

Es ist nicht verwunderlich, dass Watchdog-Journalismus geschätzt wird. Investigative Journalisten bringen neue, relevante und oft interessante Informationen ans Licht. So können sich die Menschen besser darüber informieren, wie sich ihre Regierung verhält, ob es Korruption oder Regelverstöße gibt und wie sich das auf die Gesellschaft auswirkt. Das ist auch der Grund, warum autoritäre Regime so großen Wert darauf legen, Watchdog-Journalist/innen zum Schweigen und die Medien unter ihre Kontrolle zu bringen.

Watchdog-Journalist/innen fördern die Demokratie nicht nur, indem sie wichtige Informationen an die Öffentlichkeit bringen. Allein die Anwesenheit von Enthüllungsjournalisten trägt dazu bei, Politiker und Wirtschaftsführer in Schach zu halten. Wenn sie wissen, dass sie bei einem Regelverstoß ertappt und bloßgestellt werden könnten, ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass sie es tun.

Welche Möglichkeiten hat der Watchdog-Journalismus in Zukunft?

Der Watchdog-Journalismus wird zunehmend bedroht, vor allem durch autoritäre Regierungen in Ländern wie Polen und Ungarn, die versuchen, Medien zum Schweigen zu bringen oder zu vereinnahmen, aber auch durch relativ neue Instrumente wie missbräuchliche Klagen, sogenannte SLAPPs, die versuchen, Watchdog-Journalist/innen zum Schweigen zu bringen, indem versuchen, sie finanziell in den Ruin zu treiben.

Nichtsdestotrotz ist der Watchdog-Journalismus in mancher Hinsicht stärker als je zuvor. Das Internet und die sozialen Medien machen es viel einfacher, Informationen an die Öffentlichkeit zu bringen, und geben mehr Menschen eine größere Plattform als je zuvor. Das hat natürlich auch seine Schattenseiten - es gibt auch eine Menge Unsinn, der sich oft als investigativer Journalismus tarnt und den es zu durchforsten gilt. Aber alles in allem ist es für Watchdog-Journalist/innen einfacher, Informationen an mehr Menschen weiterzugeben, und für ihre Gegner schwieriger, sie zum Schweigen zu bringen. Und das ist eine gute Sache.

Die Zukunft des Watchdog-Journalismus wird auch davon abhängen, wie gut investigative Journalistinnen und Journalisten geschützt sind. Wie die EU gesehen hat, wurden Watchdog-Journalist/innen für ihre Arbeit bedroht, in die Arbeitslosigkeit getrieben, verklagt und sogar umgebracht. Watchdog-Journalist/innen brauchen einen starken rechtlichen Schutz, der auf nationaler Ebene bestehen und durchgesetzt werden muss. Dazu sollten Gesetze gehören, die ein freies und pluralistisches Medienumfeld garantieren, Journalist/innen den Zugang zu öffentlich gewählten Amtsträgern ermöglichen und sie auch vor missbräuchlichen und teuren Klagen schützen.