Technologie & Rechte

Ein raues Willkommen: Besuch des Flüchtlingslagers auf Lesbos mit Open Migration

Das Registrierungscamp Moria, eine ehemalige Militärbasis, hat Kapazitäten für 400 Personen, aber täglich kommen dort bis zu 2.000 Flüchtlinge an.

von Marìka Surace

Was ist los auf Lesbos? Ist der "Hotspot-Ansatz" wirklich eine Lösung? Um Antworten auf diese Fragen zu finden reiste Open Migration nach Griechenland um dort das Moria Registrierungscamp zu besuchen.

Open Migration geht nach Lesbos

Nicht nur eine Webseite, sondern ein Projekt mit einem Ziel: Open Migration ist eine Plattform, auf der Zahlen, Daten, Informationen und unterschiedliche Sichtweisen zum Thema Migration angeboten werden.Ziel von Open Migration ist es Zahlen, Infografiken und Ideen zur Verfügung zu stellen und damit Vorurteile und Stereotypen von den wahren Geschichten zu trennen.

Ausgehend von der Idee, dass Migration eine Reiseroute ist, eine Reise durch verschiedene Fragen, Gründe und Rechte, beschlossen wir selbst zu reisen: wir gingen nach Lesbos, jener griechischen Insel, die in den letzten Monaten zum Ziel eines wachsenden Stroms von Menschen geworden ist, die auf der Flucht vor Krieg, Gewalt und Verfolgung ihre Herkunftsländer verlassen. Migranten, Menschen, die internationalen Schutz benötigen und die von einem neuen Leben in Europa träumen.

Nach einer fehlgeschlagenen Überfahrt zu der griechischen Insel Lesbos schleppt ein Boot der türkischen Küstenwache Flüchtlinge in türkischen Gewässern ab. (REUTERS / Umit Bektas / Files)

Auf Lesbos sahen wir Menschen, die versucht haben an die europäischen Küsten zu gelangen und dafür bereit waren das Risiko einer gefährlichen Überfahrt an Bord nicht seetüchtiger Boote in Kauf zu nehmen. Einmal in Griechenland angekommen beginnt für diejenigen, die es gesund und lebendig geschafft haben, eine neue, andere Reise. Sie beginnt mit einem Zwischenstopp in Hotspots, den Aufnahmezentren der EU in den Mitgliedsstaaten an der Außengrenze, wie Italien und Griechenland, in denen Migranten und Flüchtlinge Identifiziert werden sollen und wo ihre Fingerabdrücke genommen werden.

Innerhalb des Lagers

Aber wie funktionieren diese Orte? Wird das Recht der Ankommenden, informiert zu werden und Rechtshilfe zu erhalten, respektiert? Wir konnten einen der wichtigsten Hotspots in Europa betreten, das Registrierungscamp Moria in Lesbos.

Nur 5 km entfernt von Mytilini, der wichtigsten Stadt der Insel, überwacht von der griechischen Polizei und Frontex-Agenten, ist Moria alles andere als ein einladender Ort.

Moria ist ein ehemaliger Militärstützpunkt, das Lager ist aufgeteilt in einen arabischsprachigen und einen nicht arabischsprachigen Teil und hat Kapazitäten für 400 Personen, allerdings sind in den letzten Monaten Tag für Tag bis zu 2.000 Flüchtlinge aufgenommen worden.

Wenn Sie von den Stränden kommen, wo sie mit erster Hilfe und Nahrung versorgt wurden und sie sich aufwärmen konnten, bilden die Migranten in Moria lange Schlangen, um registriert zu werden. Es ist das erste was sie zu tun haben und es ist beschämend, dass diese Warteschlangen bis zu 24 Stunden dauern können, ohne Pause.

Flüchtlinge und Migranten an der Migrationsregistrierungsstelle auf Lesbos. (REUTERS / Alkis Konstantinidis)

Die Sanitären Anlagen sind absolut unzureichend, die meisten Leute bleiben im Freien, viele sitzen auf dem Boden, nur für Familien gibt es behelfsmäßige Zelte. Wer seinen Platz in der Warteschlange verliert muss zurück zum Ende gehen, weshalb die Wartenden sich kaum bewegen. Weil auch die Lagerleitung damit zu kämpfen hat, die Situation zu bewältigen, kommt die Registrierung häufig ins Stocken.

Verzweiflung

Einige Männer, die an der Spitze der Warteschlange waren als ich Moria besuchte, hatten dort bereits 11 Stunden gewartet. Sie waren erschöpft, aber sie warten, denn alles ist besser als draußen zu sein, in Gefahr, in den Bergen oder auf dem Meer.

Sie wissen, wenn sie registriert sind und die offiziellen Papiere haben werden sie die Erlaubnis zur Weiterreise nach Athen erhalten. Von dort aus werden sie versuchen, die mazedonische Grenze zu erreichen, um dann in andere europäische Länder weiterzureisen.

An den Stränden und in den Schlauchbooten kann man ihre Hoffnung sehen. Im Lager sieht man nur noch Müdigkeit, Verzweiflung und ein Gefühl der Unsicherheit.

UNHCR, Save the Children, Ärzte ohne Grenzen und andere Organisationen versuchen dieser Menge an Menschen und ihren Bedürfnissen gerecht zu werden. Aber es ist alles andere als leicht an einem Ort wie Moria so vielen Menschen zu helfen.

"Willkommen in Europa"

Im vergangenen September, hieß es von Seiten der EU-Mitgliedsstaaten, Hotspots seien eine gute Lösung für die Migranten und die europäischen Länder. Ausgewiesene Hotspots wären der Schlüssel, um die Aufgabe zu meistern, Menschen aus Kriegsgebieten umzuverteilen und die Menschen herauszufiltern, die das Mittelmeer lediglich auf der Suche nach besseren wirtschaftlichen Bedingungen überquert haben. Der "Hotspot-Ansatz" würde auch die Rückkehr von "illegalen Migranten" erleichtern.

Aber angesichts des vollständigen Mangels an Unterstützung (Abgesehen von Lebensmitteln und Papieren) sind wir nicht sicher, ob das wirklich eine Lösung sein kann.

Hier ist ein Video, von Federica Mameli mit versteckter Kamera aufgenommen, welches das Lager Moria zeigt, wie es jetzt ist, im Februar 2016.



Wer das Video gesehen hat kann bei den gegebenen Umständen nicht mehr von "Willkommen in Europa" sprechen.