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Häusliche Gewalt und Victim Blaming in Litauen

Das Human Rights Monitoring Institute hat seine Studie mit dem Titel 'Violence by Intimate Partners in Lithuania - Women's Perspective' veröffentlicht.

von Human Rights Monitoring Institute

Die Studie über häusliche Gewalt in Litauen aus Sicht von Frauen untersucht das Problem aus Sicht vonOpfern, die Hilfe gesucht haben.

Psychischer und physischer Missbrauch sind weiter verbreitet als wirtschaftliche oder sexuelle Gewalt.

Der erste Teil der Studie untersucht, welche Art von Gewalt Frauen am häufigsten durch ihre Partner erleben und wie sie die verschiedenen Formen von Gewalt wahrgenommen haben. Psychologische und in geringerem Maße auch physische Gewalt wurden als Hauptformen identifiziert. Wirtschaftliche und sexuelle Gewalt wurden weniger erwähnt.

Der qualitative Teil der Studie ergab, dass diese Situation sehr stark mit den vorherrschenden sozialen und geschlechtsspezifischen Normen und deren Einfluss auf die Beziehungen zusammenhängt. Wirtschaftliche Gewalt (wenn der Partnerin zum Beispiel verboten wird zu arbeiten oder ein Einkommen zu erzielen) ist mit dem Stereotyp verbunden, dass Frauen Hausfrauen sein sollten, die sich um ihre Männer, das Haus und die Kinder zu kümmern haben.

Sexueller Missbrauch wird oft dadurch gerechtfertigt, dass man sich auf das Bild der "guten Frau" beruft, womit gemeint ist, es sei die Pflicht einer Frau, ihrem Partner zu gehorchen und ihn zu befriedigen.

Frauen reden über häusliche Gewalt zuerst mit ihren Freundinnen und Müttern.

Die Studie zeigte auch, dass Frauen, die Gewalt erleben, sich meist zuerst an ihre Freundinnen oder ihre Mütter wenden, wenn sie Hilfe suchen. Opfer berichten in der Regel über emotionalen oder anderen nicht-physischen Missbrauch, welcher der körperlichen Gewalt vorausgegangen ist.

Sobald es zu körperlicher Gewalt kommt, neigen Frauen dazu, diese der Polizei oder anderen Behörden zu melden. Allerdings gibt es auch viele Opfer, die sich scheuen, sich an die Behörden zu wenden. Die Erfahrungen der Frauen zeigen, dass sowohl Angehörige als auch die Behörden dazu neigen, die Schuld für gewalttätige Beziehungen bei den Opfern zu suchen. Sie betonen die Notwendigkeit, die Familie, die wirtschaftliche Stabilität und die Privatsphäre der eigenen Person und ihrer Lieben zu schützen. Diese Art der Opferbeschuldigung (Victim Blaming) hindert Frauen oft daran, ernsthaft um Hilfe zu bitten und diese zu erhalten.

Um häusliche Gewalt zu bekämpfen, hat das Büro der litauischen Gleichstellungsbeauftragten eine soziale Kampagne namens "Support Them" ("Palaikyk") gestartet. Zwei Wochen lang werden Anzeigen über die Schäden, die durch die Schuld der Opfer verursacht wurden, und die Notwendigkeit, Frauen zu unterstützen, die sich zu Gewalt äußern, im Fernsehen und Radio, in Kinos und auf Plakaten in den litauischen Straßen zu sehen sein.

Kampagnenvideo (auf Litauisch)

Vollständige Studie (auf Litauisch)