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Gewalt gegen Frauen ist ein globales, alltägliches Problem

Die Ereignisse in Deutschland muss man verurteilen, man muss sie aber auch in ihrem politischen Kontext betrachten und die Verallgemeinerung abwehren, die Sexualstraftäter seien ausschließlich, "junge Männer aus Nordafrika oder dem arabischen Raum".

von Lovorka Šošić

Das Center for Women's Studies veröffentlicht mit Unterstützung des Women's Network Croatia und der "Welcome" Initiative eine Reaktion auf die Massenübergriffe in Deutschland und die Tendenz, Flüchtlinge und MigrantInnen zum politischen Sündenbock zu machen.

Wir haben im Januar die sexuelle und politische Gewalt gegen Frauen in Deutschland erlebt, eine Gewalt, die wir verurteilen. Wir wollen aber auch davor warnen, dass Reaktionen auf diese Ereignisse die Situation der Flüchtlinge und MigrantInnen in Europa weiter verschlimmern.

Doppelzüngig

Die Ereignisse in Deutschland muss man verurteilen, aber es ist auch notwendig, sie in ihrem politischen Kontext zu betrachten und sich gegen Verallgemeinerungen zu wehren, die Sexualstraftäter seien ausschließlich, "junge Männer aus Nordafrika oder dem arabischen Raum."

Die Reaktionen in Deutschland und ganz Europa sind erscheinen Doppelzüngig: Die gleichen Menschen, die sich sonst nie gegen Gewalt gegen Frauen in ihren eigenen Gemeinden stellen, produzieren sich jetzt als "Frauenversteher".

Anstatt die Personen, die hinter den Angriffen stehen zu verurteilen (und damit die Übergriffe gegen Frauen) – identifizieren sie die Angreifer mit der Gemeinschaft der Muslime und nutzen die Ereignisse zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung zur Flüchtlingskrise.

Eine Gruppe von Kriminellen mit einer bestimmten Religion oder Ethnie zu identifizieren, darf in demokratischen Ländern nicht toleriert werden. Vielmehr sollte man sich die Frage stellen, in welchem Umfang und wie tief der Sexismus in der westlichen Kultur immer noch verwurzelt ist. Die Aktualität dieser Frage wurde durch den von der Kölner Bürgermeisterin vorgeschlagenen "Verhaltenskodex" in der Zeit nach den Übergriffen belegt.

"Unüberbrückbare" Differenzen

Wir sollten über politische Quellen von Sexismus nachdenken, nicht nur über kulturelle und wir müssen die Ursachen des Sexismus in allen Religionen in Frage stellen. In jedem Gleichgewicht der Kräfte, in der Globalisierung und im Kapitalismus findet sich strukturelle Gewalt und die Täter von Köln sind Bürger der gleichen globalen Welt.

Wir wissen, dass Frauen erlebte Gewalt nur selten anzeigen und zwar wegen der vielen ungünstigen gesetzlichen Regelungen in Deutschland und anderswo. Nach den Anschlägen in Köln stieg die Zahl der Anzeigen von sexuellem Missbrauch und Gewalt, was darauf schließen lässt, dass die aktuelle öffentliche Debatte über sexuelle Gewalt gegen Frauen eine ermutigende Wirkung gehabt hat.

Andererseits gibt es aber die beunruhigende Beobachtung, dass die Debatte intensiviert geführt wird, weil die meisten der Täter nicht Deutsche waren und es wird sich auf angeblich "unüberbrückbare" kulturelle Unterschiede konzentriert.

Ein globales Problem

Gemeinsam mit deutschen und internationalen Feministinnen verurteilen wir den Angriff in Köln. Solidarisch lenken wir die Aufmerksamkeit auf das globale Problem der Gewalt, der Frauen täglich in der ganzen Welt ausgesetzt sind - unabhängig von Alter, Herkunft oder sozialem Status.

Bei dieser Gelegenheit verurteilen wir auch die Gewalt gegen Frauen in Kroatien - das Jahr hat gerade erst begonnen und wir erleben bereits Morde an Frauen. Wir fordern, dass die Täter unabhängig von ihrer Herkunft oder ihrem sozialem Status bestraft werden.

Center for Women's Studies, Women's Network Croatia, Initiative Welcome

For Center for Women's Studies: Nataša Medved, Rada Borić