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Führender Menschenrechtsaktivist in Sofia angegriffen

Der Vorsitzende des Bulgarian Helsinki Committee, der größten Organisation zum Schutz der Menschenrechte in Bulgarien, wurde gestern um 9:30 Uhr von zwei unbekannten Männern vor dem Radisson Hotel in Sofia überfallen.

von Bulgarian Helsinki Committee
Der Vorsitzende des bulgarischen Helsinki-Komitees, Krassimir Kanev wurde gestern in Sofia angegriffen. (Abbildung: BHC)

Krassimir Kanev wurde in das Gesicht und den Bauch geschlagen, danach flohen seine Angreifer in die Zar Shishman Straße. Kanev erlitt leichte Verletzungen und die Polizei wurde eingeschaltet.

Das bulgarische Helsinki-Komitee (BHC) verurteilt nachdrücklich den Angriff auf seinen Vorsitzenden und fordert die Behörden auf, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, um die Täter zu identifizieren, einschließlich der Auswertung von Aufzeichnungen von Überwachungskameras am Tatort.

Das BHC ist gegen jede Form von Gewalt. Im Laufe der Jahre wurden die Mitarbeiter aufgrund ihrer Arbeit zur Verteidigung der Menschenrechte in Bulgarien wiederholt belästigt und bedroht, aber bis jetzt gab es keine Fälle von körperlicher Gewalt.

Hassrede und Gewalt auf dem Vormarsch

In den vergangenen Jahren wurden in Bulgarien Äußerungen, die Hass oder Gewalt gegen schutzbedürftige Minderheiten schüren, genehmigt und sogar gelobt. Wir sind zutiefst beunruhigt über diese Entwicklung. Die Aggression richtet sich auch gegen die wenigen Organisationen und Aktivisten, die die Aufgabe übernehmen, schutzbedürftige Personen zu verteidigen.

Hassreden kommen immer häufiger vor und die Medien bieten rassistischen, fremdenfeindlichen und homophoben Ansichten und Anti-Minderheiten-Aktivisten viel zu häufig eine unkritische Plattform.

Die bulgarischen Behörden scheinen dagegen nicht in der Lage zu sein, Hassverbrechen rechtzeitig und wirksam zu untersuchen und in einigen Fällen unterstützen ihre Vertreter sogar Verbrechen wie das von heute.

Zunehmend feindliche Umgebung

Krasimir Kanev sagte gegenüber Liberties, dass seit 2014, als mit der Patriotischen Front eine neofaschistische politische Allianz Teil der Regierungskoalition wurde, der öffentliche Diskurs immer feindlicher gegenüber NGOs in diesem Bereich geworden ist. Da das bulgarische Helsinki-Komitee die älteste und oft auch die wahrnehmbarste Menschenrechtsorganisation zu Themen wie Migranten, LGBT und Roma ist, ist die Zahl der unangenehmen Zwischenfälle gegen sie deutlich gestiegen.

"In den letzten Jahren wurde ich 10 Mal auf den Straßen von Sofia verbal beleidigt, aber gestern war der erste Angriff", sagte Kanev. "Weil der Ort des Attentats unweit des bulgarischen Parlaments liegt, sollten mehrere Überwachungskameras ihn aufgezeichnet haben, weshalb ich hoffe, dass die Täter gefunden werden."