Stoppt die Zuschüsse für eine Schweinezucht am Ort des Gedenkens an den Völkermord an den Roma

EU-Subventionen unterstützen eine Schweinefarm auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Lety, wo während des Zweiten Weltkriegs Hunderte von Roma ermordet wurden.

Tschechische Aktivisten fordern, dass die EU Subventionen für ein Unternehmen stoppt, das eine Schweinefarm auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers für Roma in der Nähe von Lety u Pisku betreibt.

Die Aktivisten sagen, der landwirtschaftliche Betrieb sollte geschlossen und statt dessen auf dem Gelände ein Denkmal für die Roma Opfer des Holocaust gebaut werden.

"Es könnte sehr einfach sein, die aktuelle skandalöse Situation zu lösen. Wir haben herausgefunden, dass die Schweinefarm am Ort des Völkermords ein Empfänger von EU-Agrarsubventionen ist. Ohne diese Subventionen würde sie Verluste machen und in kurzer Zeit scheitern", sagte Miroslav Brož von der Roma-Organisation Konexe.

Laut Jan Michal, Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Tschechien, ist dies eindeutig ein heikles Thema, aber jedes Land müsse mit der Vergangenheit umgehen.

"Die Europäische Kommission leitet zwar die gemeinsame Agrarpolitik, die einzelnen Begünstigten werden jedoch von jedem Mitgliedstaat selbst festgelegt", schrieb er als Antwort.

A man places a picture of a Roma victim of the Holocaust on the fence of the pig farm at the Lety concentration camp site.  (REUTERS/David W Cerny)

Ein Mann hängt ein Bild von einem Roma-Opfer des Holocaust an den Zaun der Schweinefarm im KZ Lety. (REUTERS / David W Cerny)

Leere Worte

Die Aktivisten, die sich dafür einsetzen, dass die Schweinezucht geschlossen wird, sind leere Worte von Politikern gewohnt.

"Es gab nie den geringsten politischen Willen, den Betrieb zu kaufen und abzureißen. Frühere Versprechen, dienten unserer Meinung nach lediglich dazu, die internationale Menschenrechts-Community zu beruhigen", sagte Brož.

Die große Mastanlage in Lety wurde in 1973 gebaut. Nach dem Sturz des kommunistischen Regimes wurde sie von einem Privatunternehmen gekauft.

Tschechien wird schon lange von internationalen Institutionen dafür kritisiert, dass es eine Schweinefarm auf einer Holocaust Gedenkstätte platziert hat. Aufeinanderfolgende Regierungen haben versucht, eine Lösung zu finden und es wurde immer wieder behauptet, der Staat wolle die Farm kaufen und abreißen lassen. Schätzungen zufolge würden die Kosten Hunderte von Millionen tschechischen Kronen betragen.

Laut einer Volkszählung lebten etwa 6.500 Roma und Roma-Mischlinge in den ehemaligen NS-Protektoraten Böhmen und Mähren. Nach dem Krieg kehrten weniger als 600 aus den Konzentrationslagern zurück und Experten schätzen, dass die Nazis bis zu 90 Prozent der Vorkriegs Roma-Bevölkerung ermordet haben.