​Korruptionsvorwürfe gegen Polens mächtigsten Kirchenmann

Der mächtigste Priester Polens pflegt seit langem eine enge Beziehung zu den jetzigen Herrschern des Landes und erhält zweistellige Millionenbeträge für die Projekte seiner Stiftung.

Polens am besten vernetzter Priester, Tadeusz Rydzyk, wurde von der polnischen Regierung mit einem weiteren Geldbündel bedacht, diesmal zur Finanzierung einer Geothermieanlage, einem Projekt seiner Stiftung. Viele Oppositionspolitiker und Bürger fragen sich wieder einmal, ob der mächtigste Priester Polens auch der korrupteste des Landes ist.

Die Geothermieanlage wird im polnischen Torun gebaut, wo Rydzyk seine Kirche, seine Medienuniversität und andere mit seiner Stifung verbundene Einrichtungen unterhält. Die Anlage wird mit rund 6,5 Millionen Euro Fördermitteln der Regierung gebaut. Das ist nur das jüngste der Projekte, die von der regierenden Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) gefördert werden, deren Vorsitzender Jarosław Kaczyńsk, seit langem eine enge Beziehung zu Rydzyk unterhält.

Die Verbindung von Kirche und Staat

Lokale Medien schätzen, dass die Rydzyk-Stiftung Lux Veritatis seit 2015 von der PiS-Regierung rund 48 Millionen Euro an öffentlichen Mitteln erhalten hat. Das ist eine bemerkenswerte Zahl. Das Geld wurde unter anderem für einen Schrein, einen Gedenkpark und eine neue Energieversorgung für ein von der Stifung betriebenes Museum verwendet.

Der Nutzen der Investitionen der Regierung ist immens. Im Gegenzug für die Finanzierung seiner Projekte verwandelt Rydzyk sein riesiges Medienimperium in ein Sprachrohr der PiS. Sein Radio Maryja-Netzwerk, der Fernsehsender TV Trwam und Zeitung Nasz Dziennik erreichen Millionen im ganzen Land.

Rechte Politiker und selbsternannte Experten erscheinen regelmäßig in den Medienkanälen von Rydzyk, um Angst vor und Ressentiments gegen Migrantinnen und Migranten sowie die LGBTQI-Gemeinschaft - zwei Gruppen, die die Regierung in Sündenböcke für Wahlgewinne verwandelt hat - und Frauen zu schüren.

"Sendungen [auf diesen Kanälen] über Fragen im Zusammenhang mit Ehe und Beziehungen machen Frauen regelmäßig zu Objekten und sprechen Ihnen die Handlungskompetenz ab", erklärte die polnische Frauenstreick-Aktivistin Chyżewska-Pawlikowska Anfang des Jahres gegenüber OpenDemocracy.

Diese Kanäle bieten auch den Raum, um die Regierung und Rydzyk enger miteinander zu verbinden. Als Mateusz Morawiecki 2017 Premierminister wurde, führte Rydzyk auf seinem Sender Radio Maryia ein Interview mit ihm, in dem dieser seine Unterstützung für die "Re-Christianisierung Europas" zusicherte. Vor kurzem trat Energieminister Krzysztof Tchórzewski in derselben Station auf, um den Geothermieplan zu loben und nannte ihn ein Beispiel für den Rest des Landes.

Eine seltsame Entscheidung

Aber die neue Geothermieanlage in Torun ist ein kurioses Unterfangen. Die Tatsache, dass die Immobilien von Rydzyk die Hauptbegünstigten der Wärme der Anlage sein werden, wirft Fragen auf. Vor allem aber ist Torun für ein solches Projekt zunächst schlecht geeignet. Der Salzgehalt im Wasser unter der Stadt ist zu hoch, und es müsste vor dem Einsatz um 130 Grad erwärmt werden, was ein traditionelles Kraftwerk erfordert.

Darüber hinaus macht die Geothermie derzeit nur 0,25 Prozent der gesamten erneuerbaren Energien in Polen aus, nicht zuletzt, weil diese Form der Energie von polnischen Politikern seit langem abgelehnt wird. Jetzt aber plötzlich nicht mehr. Und das "obwohl andere Energiequellen wie Wind und Sonne billiger und effizienter sind, aber dennoch "von der PiS-Regierung bewusst blockiert werrden", wie der Greenpeace Klima- und Energieaktivist Marek Józefiak erklärt.

Es wird interessant sein zu sehen, ob diese Geschichte für Vater Rydzyk oder die PiS-Regierung tatsächlich zu einem heißen Eisen wird. Das scheint unwahrscheinlich. Dennoch ist es ein weiterer Beleg für die Korruption der Regierung, und es kann durchaus sein, dass Korruption für diese und andere populistische Regierungen in der Region die größte Bedrohung darstellt.

Du musst Cookies von Drittanbietern akzeptieren, um auf diesen Inhalt zugreifen zu können.