Schuldig bis zum Beweis der Unschuld? Studie über die Unschuldsvermutung

Die Unschuldsvermutung ist einer der wichtigsten Grundsätze des modernen Menschenrechtssystems. Sie trägt entscheidend dazu bei, die Rechte von Personen, die einem Strafverfahren ausgesetzt sind, zu wahren.

Die Bedeutung der Darstellung

Die EU-Richtlinie über die Unschuldsvermutung (EU 2016/343) legt fest, dass die zuständigen Behörden davon absehen sollten, Verdächtige oder Beschuldigte vor Gericht oder in der Öffentlichkeit als schuldig darzustellen.

Das bedeutet, dass Maßnahmen der körperlichen Zurückhaltung, wie Handschellen, Glaskästen, Käfige und Fußeisen, nur eingesetzt werden sollten, wenn diese aus fallbezogenen und Sicherheitsgründen gerechtfertigt sind.

Suspects in Restraints. The Importance of Appearances: How Suspects and Accused Persons are Presented in the Courtroom, in Public and in the Media"

"Verdächtige in Fesseln. Die Bedeutung des Aussehens" ist ein zweijähriges, EU-weites Forschungsprojekt, das derzeit vom Liberties-Mitglied Rights International Spain und weiteren Partnern unter der Koordination des Hungarian Helsinki Committee durchgeführt wird.

Ziel des Projekts ist es, zur korrekten Umsetzung der EU-Richtlinie beizutragen, indem die Zahl der Fälle verringert wird, in denen Verdächtige und Angeklagte in der Öffentlichkeit in einer Weise dargestellt werden, die eine Schuld suggeriert. Darüber hinaus soll das Projekt zu einem besseren Verständnis der Unschuldsvermutung bei Beamten und in der Öffentlichkeit beitragen.

Einfluss und Wahrnehmung

Im Rahmen des Projekts hat der kroatische Projektpartner Human Rights House Zagreb, eine soziologische Untersuchung durchgeführt, um zu untersuchen, inwieweit verschiedene Stufen polizeilicher Restriktionsmaßnahmen die öffentliche Wahrnehmung von Schuld beeinflussen. Die Ergebnisse sind entscheidend für das Verständnis der Unschuldsvermutung.

Erstens, jede Verhaftung durch die Polizei führt zu der Wahrnehmung, dass eine Person schuldig ist. Die Untersuchung zeigt, dass die Öffentlichkeit nicht nur Menschen in Begleitung der Polizei als schuldig ansieht (Anwesenheit der Polizei), sondern auch, dass die wahrgenommene Schuld steigt, wenn strengere Maßnahmen zur Eindämmung eingesetzt werden oder das Ausmaß der Gewalt steigt.

Darüber hinaus besteht ein positiver Zusammenhang zwischen als negativ wahrgenommenen Eigenschaften und der Wahrnehmung von Schuld. Das heißt, Menschen sehen eine Person eher als schuldig an, wenn sie ihr negative Eigenschaften zuschreiben (aggressiv, gefährlich). Die Untersuchung hat ergeben, dass negative Eigenschaften eher Männern als Frauen angeheftet werden. Die Menschen neigen auch dazu, eine schuldige Person mit Stereotypen zu betrachten (z.B. wenn jemand durch das Tragen eines Kapuzenpullovers als Hooligan oder Delinquent wahrgenommen wird).

Der Bericht und die Infografik wurden vom Human Rights House Zagreberstellt.

Lies hier den vollständigen Bericht.