Bulgarische NGOs engagieren sich für bessere Schwangerschaftsbetreuung zu Hause

Bei der Schwangerschaftsbetreuung gibt es im Gesundheitssystem Bulgariens eine ganzen Reihe von Problemen, darum wird es Zeit, die vom Staat angebotenen Dienste grundlegend zu verbessern.

Die Statistiken sind alarmierend und können nicht länger ignoriert werden. Seit Anfang des Jahres sind die Geburtenraten in Sofia um 2 Prozent gefallen, in Vidin sind es sogar 27 Prozent und die für die Gesamtzahl der Geburten wird dieses Jahr ein Rekordtief erwartet.

Gebärende Frauen stehen, entgegen der Empfehlung der World Health Organization (WHO) und der International Federation of Obstetrics and Gynecology, nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit des Gesundheitswesens. Die Zunahme von geplanten Kaiserschnitten um 40 Prozent sowie die verstörenden Berichte von traumatischen Geburten, die Frauen mit der Rodilnitsa Association geteilt haben, machen die Defizite deutlich.

Aus diesem Grunde startete im Juni 2015 ein neues Projekt, mit dem Ziel die Bemühungen von in diesem Bereich tätigen NGOs zu bündeln und die Angebote für Mütter und Babys zu verbessern.Die "Strategie für eine langfristige Aufklärungskampagne für den Respekt der Menschen- und Bürgerrechte in der Gesundheitsversorgung von Müttern" wurde von Rodilnitsa und der Parents for Parents Foundation implementiert und durch das NGO Programm in Bulgarien unter dem Finanziellen Mechanismus der European Economic Area finanziert.

Die in dem Projekt engagierten Aktivisten kommen aus einer breiten Auswahl an NGOs, darunter: Estestveno Association, Bulgarian Maternity Support Workers Association, Poppies for Mary Foundation, Friendship Foundation, Our Premature Babies Foundation, Bulgarian Helsinki Committee, Alliance of Bulgarian Midwives und Support for Breastfeeding Association.

Für eine bessere Pflege

Die Organisatoren von Rodilnitsa und der Parents for Parents Foundation fordern eine leicht zugängliche und respektvolle Pflege, die auf erprobten medizinischen Methoden beruht und wehrt sich gegen schädliche und veraltete Praktiken. Immer mehr Mütter und Familien in Bulgarien wünschen solche Pflegedienste und immer mehr Ärzte und Krankenhäuser sind in der Lage sie zu leisten.

"Ziel dieses Projektes ist es, alle diese Organisationen zusammen zu bringen, damit sie effektiver am Entscheidungsprozess in der Schwangerschaftsbetreuung teilnehmen können, außerdem soll den verantwortlichen Behörden dabei geholfen werden, mit den benannten Problemen umzugehen", sagte Nelly Mutafova, die Vizepräsidentin von Rodilnitsa.

Miglena Delcheva, Managerin der Parents for Parents Foundation glaubt, dass der NGO Sektor bei der Verbesserung der Pflegesituation unverzichtbar ist:

"Es ist wichtig die positiven Schritte des Gesundheitsministeriums festzuhalten, etwa die Untersuchung des Executive Agency Medical Audit (EAMA) in einigen Entbindungsstationen des Landes.Trotzdem müssen auch die Problembereiche benannt werden, die guten Absichten deren Umsetzung nicht gelingt. Da kommt dann der NGO Bereich ins Spiel, er kann das Gesundheitsministerium dabei unterstützen, bessere eine Schwangerschaftspflege zu implementieren, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht und mit Respekt für Mutter und Baby ausgeführt wird."

Die Anwältin Elena Ateva, ein Mitglied des Vorstands von Human Rights in Childbirth, erklärte, dass es in den letzten Jahren eine globale Bewegung für eine respektvolle Schwangerschaftsbetreuung gegeben hat, in der Fachleute, Eltern, Ärztinnen und Ärzte, Hebammen, Aktivistinnen und Aktivisten, Anwältinnen, Anwälte und Politikerinnen und Politiker zusammen arbeiten.

Sie zitierte aktuelle Empfehlungen der International Federation of Obstetrics and Gynecology nach denen "jede Frau das Recht auf eine positive Geburtserfahrung und auf würdevolle, mitfühlende Betreuung bei der Entbindung hat. Jede Mutter und jedes neugeborene Baby sollte vor unnötigen Interventionen, vor unwissenschaftlichen Praktiken und Prozeduren geschützt werden."

Gesprächseinstieg

Zusätzlich sagte die Anwältin Daniela Fartunova vom Bulgarian Helsinki Committee "Das Gesundheitsgesetz sieht vor, dass jede schwangere Frau, jede gebärende Frau und jede Frau die bereits entbunden hat, ein Anrecht auf eine Pflege hat, die ihr und ihrem Kind die optimalen Gesundheits- und Lebensbedingungen garantiert."

Trotz des Gesetzes werden die Rechte entbindender Frauen systematisch verletzt weil es keine vernünftigen Mechanismen für den Schutz ihrer Rechte gibt. Häufig wird die Einverständniserklärung oder die Ablehnung der Mütter durch die Mediziner ignoriert, also entbindet die Frau ohne dass sie von einer ihr nahestehenden Person begleitet wird und sie wird in den unmittelbar auf die Geburt folgenden Stunden von ihrem Kind getrennt. Frau Fartunova verwies auf die Charta der Grundrechte schwangerer und gebärender Frauen und betonte die Tatsache, dass das Projekt einen Dialog zwischen der Zivilgesellschaft und den verantwortlichen Institutionen auslösen wird.