#MeAndMyRights: Infobesity - Warum Massenüberwachung gegen Terrorismus nichts bringt

Massenüberwachung ist ineffektiv, weil sie die Sicherheitsdienste mit so vielen Informationen belastet, dass für die Analysten unmöglich ist, zu erkennen, was wichtig oder relevant ist.

Erinnerst Du Dich an Christopher Nolans Film von 2008, The Dark Knight, mit Christian Bale als Batman? Es gibt eine Szene gegen Ende des Films, in der Batman verzweifelt versucht, den Joker (gespielt von Heath Ledger) zu finden, der im Begriff ist, einen Terroranschlag auf Gotham City auszuführen. Batman hat das Telefon von allen Bewohnern der Stadt abgehört und ein System geschaffen, das es ihm erlaubt, den Joker zu finden. Er hat eine Maschine, die die Stimme des Jokers erkennt. Wenn der Joker innerhalb der Reichweite eines beliebigen Telefons in der Stadt spricht, erhält er die Position des Jokers. Batman findet den Joker und die beiden hängen für eine Weile, bevor Batman ... die Flucht ergreift? (Ich verstehe immer noch nicht wirklich, warum Batman die Schuld am Tot von Harvey Dent übernehmen musste.)

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Das klingt zwar vielleicht nach einer effektiven Möglichkeit, den Terrorismus durch Massenüberwachung zu bekämpfen. Aber es ist Fiktion. In der Praxis funktioniert Massenüberwachung nicht so. Sicherheitsdienste versuchen mit Massenüberwachung neue terroristische Verdächtige und Verschwörungen aufzudecken, die ihnen noch unbekannt sind. Sie wissen also nicht wirklich, wen sie suchen. Wenn sie bereits über eine Verdächtige Person Bescheid wüssten, würden sie deren Telefon einfach abhören oder ihre E-Mails mit gezielter Überwachung abfangen.

Einfach gesagt, funktioniert die Massenüberwachung normalerweise so: Erstens, die Sicherheitsdienste sammeln oder abfangen Massen von Informationen. Das könnten Millionen von E-Mails sein, die über mehrere Wochen in einem bestimmten Land verschickt wurden. Als nächstes filtern die Behörden diese Daten, um zu versuchen, die Informationen einzuschränken, die sie betrachten. Beispielsweise behalten sie möglicherweise nur E-Mails, die eine bestimmte Wortgruppe enthalten, oder nur E-Mails, die von einer Hotmail-Adresse oder von einer bestimmten Stadt gesendet wurden. Dann suchen die Analysten nach dem, was übrig ist. Aber selbst nach dieser Filterung bleiben so viele Informationen übrig, dass Analysten meist nicht in der Lage sind, das meiste davon zu betrachten. Und Sicherheitsdienste müssten doppelt prüfen, ob jemand, der als potenzieller Verdächtiger auftritt, wirklich in den Terrorismus verwickelt ist. Als dies in den USA geschah, wurden FBI-Ermittler auf tausende von wilden Verfolgungsjagden geschickt, um Leute zu verhören, die sich als völlig unschuldig herausstellten. Das ist eine Verschwendung von Ressourcen, die stattdessen für traditionellere und effektivere Ermittlungsmethoden aufgewendet werden könnten.

Einfach zu viel Information

Wie hilfreich ist also die Massenüberwachung? Massenüberwachung hat bisher noch nie dazu beigetragen, einen Terrorverdächtigen zu identifizieren oder einen Terroranschlag zu verhindern. Zu diesem Schluss kommen zwei Studien über Behauptungen der National Security Agency in den USA, dass die Massenüberwachung für die Bekämpfung des Terrorismus entscheidend gewesen sei. Eine dieser Untersuchungen wurde vom US-Kongress durchgeführt, der Zugang zu geheimen Dokumenten hatte und Personen interviewen konnte, die für die NSA arbeiten.



Aber warum ist Massenüberwachung so ein nutzloses Instrument, um Terroristen zu fangen? Das liegt hauptsächlich daran, dass es einfach zu viele Informationen produziert. Sicherheitsdienste ertrinken in Informationen, auch nachdem sie sie anhand ihrer Suchkriterien gefiltert haben. Es gibt so viele Informationen, dass sie nicht sagen können, was wichtig ist und was nicht, wer ein echter Verdächtiger und wer unschuldig ist. Kehren wir zum Batman-Beispiel zurück, um Ihnen einen Eindruck davon zu vermitteln, warum die Massenüberwachung nicht funktioniert. Stelle Dir vor, dass die Sicherheitsdienste ein magisches Terroristen-Erkennungsgerät entwickelt haben, ähnlich wie Batman. Stelle Dir vor, dass die Sicherheitsdienste die Stimmen aller Terroristen in Ihrem Land aufzeichnen und dass ihr magisches Gerät mithilfe von komplizierten Algorithmen mit 90 prozentiger Genauigkeit erkennen kann, ob jemand, der telefoniert, mit einem Terroristen übereinstimmt. Sagen wir, es gibt insgesamt 3000 Terroristen in Deinem Land. Das bedeutet, dass das Gerät 2700 Terroristen erkennen wird. Das hört sich nicht schlecht an, oder?

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Genauigkeit spielt eine große Rolle

Das Problem für die Sicherheitsdienste ist, dass, wenn das System 90% genau ist, es un Umkehrschluss eben zu 10% ungenau ist. Also wird es in einem von 10 Fällen, wenn es eine unschuldige Person am Telefon sprechen hört, diese Person als Terroristen identifizieren. Wenn Sie 30 Millionen Telefonbenutzer haben, dann werden Sie fälschlicherweise 3 Millionen Menschen als Terroristen identifizieren. Und Sie werden nicht in der Lage sein, zwischen den unschuldigen 3 Millionen Menschen und den echten 2700 Verdächtigen zu unterscheiden. Sie müssten Folgeuntersuchungen bei über 3 Millionen Menschen durchführen, um die 2700 Terroristen ausfindig zu machen. Denke daran, dass die Genauigkeit von 90% für einen Test zum Aufspüren von Terroristen unrealistisch hoch ist. Wir haben diese Zahl nur verwendet, um zu zeigen, wie selbst ein scheinbar genauer Test zu nutzlosen Ergebnissen führen kann. In Anbetracht der Tatsache, dass Terroristen ihr Verhalten so anpassen, dass sie nicht entdeckt werden können, dürften die derzeit von Sicherheitsdiensten verwendeten Erkennungsmethoden weitaus weniger genau sein. Zum Beispiel würde ein intelligenter Terrorist in diesem fiktiven Szenario wahrscheinlich einen Stimmmodulator verwenden, um seine Stimme zu verbergen.

Am Ende von The Dark Knight zerstört Batmans Spielzeughersteller Lucius Fox (gespielt von Morgan Freeman) die Massenüberwachungsmaschine. Er überredet Batman, dass es unethisch ist, weil es eine so große Invasion der Privatsphäre von unschuldigen Individuen ist und dass es gefährlich ist, weil es eine riesige Menge an Macht in die Hände desjenigen bringt, der es kontrolliert. So sehr ich Christopher Nolan mag, diese Erklärung, warum Massenüberwachung eine schreckliche Sache ist, ist nicht gut genug. Aber keine Sorge, in den kommenden Wochen werden wir genauer erklären, warum Massenüberwachung für unsere Demokratien so gefährlich ist.


Wenn Du detailliertere Informationen suchst oder die Nachweise und Studien, auf die wir uns beziehen, weiterverfolgen möchtest, kannst Du hier unseren vollständigen Bericht ‘Security through Human Rights’ (Sicherheit durch Menschenrechte) einsehen.