Kroatien inhaftiert Familie des getöteten Flüchtlingsmädchens Madina

Die Familie eines Mädchens, das an der serbisch-kroatischen Grenze getötet wurde, konnte nach Kroatien zurückkehren, ist dort aber seit mehr als 30 Tagen inhaftiert.

Die sechsjährige Madina Hussiny wurde im November 2017 von einem Zug erfasst und getötet. Die kroatischen Behörden hatten den Asylantrag ihrer Familie abgelehnt und ihnen gesagt, sie sollten auf den Schienen zurück nach Serbien laufen.

Jetzt hat Madinas Schwester das Liberties Mitglied The Centre for Peace Studies darüber informiert, dass die Familie nach Kroatien zurückkehren konnte und in der Stadt Tovarnik inhaftiert worden sei.

Die Mitglieder der Familien werden in drei getrennten Räumen festgehalten und können sich nur während der Mahlzeiten sehen.

Keine Rechte

Sie sagte, dass sie von den Mitarbeitern der Haftanstalt keine Auskunft über ihren Fall, oder darüber wie lange sie in Haft sein werden, erhalten.

Die Familie bat darum, Kontakt mit ihrem Anwalt aufnehmen zu dürfen, der sie, wegen der Haftung für den Tod ihrer Tochter Madina, bereits im Strafverfahren gegen das kroatische Innenministerium vertritt. Diese Kontaktaufnahme wurde ihnen jedoch verweigert, mit dem Argument, dass sie den Vertrag mit ihrem Anwalt bereits Serbien unterzeichnet hätten.

Außerdem wurde die Familie gezwungen, Dokumente zu unterschreiben, die sie nicht verstand. Madinas Schwester sagte, die kroatischen Behörden hätten damit gedroht, dass sie, obwohl sie bereits in Kroatien Asyl beantragt hatten, nach Serbien zurückgeschickt würden, wenn sie diese Dokumente nicht unterschrieben.

Sie hatten nicht einmal die Möglichkeit, offiziellen Kontakt mit dem Centre for Peace Studies aufzunehmen, noch durfte das Centre for Peace Studies sie besuchen oder ihnen die gesetzlich garantierte Rechtshilfe leisten.

Intervention in Straßburg

Das Centre for Peace Studies betont, dass Kroatien die Rechte der Familie gewährleisten muss, indem es ihnen Freizügigkeit und Rechtsbeistand gewährt. Die Organisation betont, es sei viel zu oft versucht worden, die Familie, die bereits zu viel gelitten habe, zu manipulieren und einzuschüchtern.

Der Anwalt der Familie hat eine Verfassungsbeschwerde eingereicht und den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte aufgefordert, eine vorübergehende Maßnahme zur Freilassung der Familie zu erlassen.

Das Gericht hat die geforderte dringende vorläufige Maßnahme erlassen, demnach muss Kroatien für eine humanere Behandlung der Familie sorgen. Allerdings konnten auch sechs Tage nach diesem Urteil weder der Anwalt der Familie noch das Centre for Peace Studies Kontakt zu der Familie aufnehmen oder auch nur Informationen über ihren Fall und ihren Aufenthaltsort erhalten.