Was kommt nach der Räumung des Baobab Zentrums in Rom?

Mehr als 600 Menschen hatten in der ehemaligen Penizillinfabrik in Rom eine Unterkunft gefunden, insbesondere Migranten und Asylbewerber lebten dort unter schwierigen Bedingungen. Jetzt wurden das Baobab-Zentrum ohne Angebot einer Alternative geräumt.

Am 10. Dezember wurden Migranten aus dem Baobab-Zentrum, einer ehemaligen Penizillinfabrik in Rom, vertrieben. Der Polizeieinsatz fand am frühen Morgen statt und 36 Personen wurden zur Identifizierung zum Polizeipräsidium (Questura) gebracht.

Die riesige ehemalige römische Penizillinfabrik aus den 50er Jahren war bis vor kurzem von über 600 Menschen besetzt, zu denen sowohl Italiener als auch Ausländer gehörten. Die meisten von ihnen wussten von der Räumung bevor sie begann und waren bereits einige Tage vor der Operation in ein anderes Gebäude gezogen.

Raus aus dem Ghetto

Bevor die Polizei die Unterkünfte der Bewohner zerstörte, fand in der ehemaligen Fabrik eine Pressekonferenz statt, auf der die Bewohner die Öffentlichkeit um Hilfe baten: "Wir sind gezwungen, hier zu bleiben, wir leben wie Tiere in einem zerfallenden Gebäude. Überall ist Müll, sogar Giftmüll und die Hälfte des Gebäudes bricht auseinander. Wir sind keine Kriminellen, wir sind nur arm und wir müssen hier bleiben, weil es noch keine Alternativen gibt."

Das sagte auch der Sprecher der Besetzer: "Wir wollen keine Räumung, sondern eine Evakuierung, die alternative Unterkunfts-Lösungen beinhaltet. Das Gebäude muss gereinigt, restauriert und den Menschen zurückgegeben werden: Es sollte zu einem öffentlichen Raum werden, der allen offen steht, auch Kindern und Behinderten. Wenn nach der Räumung keine Alternativen zur Verfügung stehen, werden wir eine Menschenkette um das Gebäude herum bilden".

Viele NGOs haben unermüdlich daran gearbeitet, den Bewohnern des Gebäudes zu helfen und ihnen medizinische, psychologische und rechtliche Hilfe zu leisten. Darüber hinaus haben diese Verbände kürzlich den Bericht "Uscire dal Ghetto" ("Raus aus dem Ghetto") veröffentlicht, der die schlechten Lebensbedingungen der Menschen in der Einrichtung und ihre Lebensweise dort beschreibt.

Beinahe 100 der Migranten, die in der ehemaligen Fabrik waren, sind nur wegen einer anderen Räumung, die vorher in der Nähe stattfand, dorthin gekommen. Viele Ausländer, die das Gebäude als Unterkunft nutzten, hatten keine Aufenthaltsgenehmigung, da die Polizeidienststellen die Prüfung ihrer Anträge herauszögerte, deshalb sind die meisten Antragsteller verpflichtet, ihren Wohnsitz amtlich zu bescheinigen, obwohl eine einfache Erklärung des Wohnsitzes ausreichen sollte.

Chemikalien und Asbest in der ehemaligen Fabrik

Das größte Problem für die Zukunft der ehemaligen Fabrik hängt eigentlich mit den ungeklärten und unterschätzten Umweltgefahren zusammen, die von den Chemikalien ausgehen, die den Standort verunreinigen.

Andrea Turchi, Dozentin und Chemikerin im Ruhestand, die Inspektionen vor Ort durchgeführt hat, sagt: "Das Schlimmste dabei ist, dass überall Asbest, das zur Isolierung von Sanitäranlagen in der Fabrik verwendet wurde, zu finden ist. Es gibt keine Fenster, und der Asbest breitet sich frei in der Luft und in der Lunge aus, nicht nur für die Bewohner des Gebäudes, sondern auch für die Anwohner ist das eine Gefahr. Darüber hinaus ist der Boden bedeckt mit Medikamentenschachteln, überall liegen Schwefelsäure- und Ammoniumflaschen herum. Das ist nicht akzeptabel: Es ist zu gefährlich."

Die Anwohner machen sich schon seit langem Sorgen wegen des imposanten Gebäudes und sie fordern, dass die Struktur nicht abgerissen, sondern neu ausgerichtet wird. Das ist ein vernünftiger Ansatz, da sich die Fabrik in einem Vorort befindet, in dem Wohnungsnot herrscht, von der vor allem Menschen betroffen sind, deren Lebensstandard unter dem Durchschnitt liegt.

Der größte Teil des Werksgeländes befindet sich im Besitz der Firma ISF, die in wenigen Tagen einen Sanierungsplan für die Instandsetzung des Bauwerks vorlegen wird.