EU-Beobachtung

Weltkongress jüdische LGBT-Gruppen gegen Antisemitismus & Homophobie

Auf dem viertägigen Weltkongress jüdischer LGBT wurde die besondere Bedeutung des Dialogs und der Zusammenarbeit der Minderheiten im Kampf gegen Stigmatisierung und Diskriminierung betont.

von Luna Lara Liboni
Picture of the #WorldCongressofLGBTJews by Magen David Keshet Italia
In Rom fand vom 15. bis 18. März der 24. jährliche World Congress of LGBT Jews - Keshet Ga’Avah statt. In diesem Jahr wurde die Konferenz, auf der jüdische LGBTI-Organisationen aus aller Welt zusammenkommen, von einem der Mitglieder von CILD organisiert: dem Verein Magen David Keshet Italia.

Allein eine Minderheiten - Gemeinsam stark

Der Weltkongress der LGBT-Juden und die verschiedenen jüdischen LGBT-Organisationen aus denen er sich zusammensetzt, fördern seit den 1970er Jahren das Thema der sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität innerhalb der jüdischen Gemeinde, wobei LGBT in vielen Fällen immer noch als großes Tabu angesehen wird. Wie der Präsident von Magen David Keshet Italia, Marco Serafino Fiammelli, betonte, ist und sollte dieses Thema jedoch kein Grund für persönliche (und soziale) Konflikte. Im Gegenteil, die Zugehörigkeit zu zwei Minderheiten kann den Dialog zwischen zwei Welten - der jüdischen und der LGBTI-Gemeinschaft - erleichtern, obwohl diese, sowohl von innen als auch von außen, oft als unvereinbar angesehen werden.

Das Hauptthema des Kongresses - "Minorities Alone - Strong Together" - erinnert an die Bedeutung des Dialogs und der Zusammenarbeit von Minderheiten im Kampf gegen Stigmatisierung und Diskriminierung von LGBT-Menschen und Juden in Europa und in der ganzen Welt. Wie die ILGA-Europe im Jahr 2017 feststellte, ist Homo-Bi-Transphobie in den meisten - wenn nicht allen - europäischen Staaten nach wie vor ein zentrales Problem. Was den Antisemitismus betrifft, so wurde nun bestätigt, dass die Holocaust-Überlebende Mireille Knoll in Frankreich bei einem antisemitischen Angriff brutal ermordet wurde.

Religion und individuelle Rechte

Auf der Veranstaltung wurden wichtige Fragen im Zusammenhang mit den bürgerlichen Freiheiten und Rechten angesprochen. Besonders gut besucht war das Panel zur Prävention und Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt gegen Frauen. Yuri Guaiana, der Vorsitzende des CILD-Mitglieds Certi Diritti, sprach über die Bedeutung von Strategien zur Integration individueller Freiheit und starker religiöser Traditionen. Ein ganzes Panel widmete sich dann der Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen jüdischen und muslimischen LGBT-Aktivisten und Gemeinschaften. Die Diskussion wurde von Marco Serafino Fiammelli (MDKI) und Wajahat Abbas Kazmi geführt. Letzterer ist einer der Gründer von "Allah Loves Equality" und hat 2017 als "junger Aktivist" den CILD award for civil liberties gewonnen.

Die Suche nach einem Dialog war schon immer der erste Schritt zur Gestaltung einer integrativeren Gesellschaft, die auch im Jahr 2018 in Europa und in vielen Ländern auf der ganzen Welt dringend gebraucht wird.