Technologie & Rechte

Wir müssen politische Werbung klarer definieren

Die vage Formulierung des Gesetzes gefährdet auch ein breites Spektrum der öffentlichkeitswirksamen Kommunikation der Zivilgesellschaft, darunter auch Kampagnen zur Interessenvertretung und gesellschaftliche Debatten.

by Eva Simon

Die EU-Verordnung 2024/900 über die Transparenz und Zielgruppenausrichtung politischer Werbung (TTPA) war ein wichtiger Schritt zum Schutz freier und fairer Wahlen, zur Gewährleistung eines freien politischen Diskurses und zum Schutz unserer Demokratien vor unzulässiger Einflussnahme. Das Gesetz tritt am 10. Oktober 2025 vollständig in Kraft. Die Europäische Kommission arbeitet derzeit an Leitlinien zur Umsetzung der Verordnung, um deren weitreichenden Anwendungsbereich und mögliche unbeabsichtigte Folgen zu klären. Ein zentraler Punkt ist die Definition von politischer Werbung. Die vage Formulierung des Gesetzes birgt die Gefahr, dass ein breites Spektrum der öffentlichkeitswirksamen Kommunikation der Zivilgesellschaft erfasst wird, darunter auch Kampagnen zur Interessenvertretung und gesellschaftliche Diskussionen. Ohne klare Leitlinien der Kommission könnten nationale Vollzugsbehörden das Gesetz uneinheitlich auslegen, was zivilgesellschaftliche Organisationen daran hindern würde, ihre Kontrollfunktion wahrzunehmen und eine lebendige politische Diskussion im Internet zu fördern. Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Auswirkungen der Verordnung auf politische Influencer. Influencer erreichen potenziell einen hohen Anteil der Gesellschaft und beeinflussen politische Entscheidungsprozesse. Eine Klärung ihrer Rolle als politische Influencer wird Transparenz und Rechenschaftspflicht fördern. Die Beschränkungen für ausländische Finanzierungen sind zu weit gefasst und könnten die Aktivitäten zivilgesellschaftlicher Organisationen gefährden. Bei falscher Anwendung könnten diese Regeln legitime Lobbyarbeit behindern. Klare Leitlinien der Europäischen Kommission werden dazu beitragen, die Verordnung ausgewogen zu gestalten und sicherzustellen, dass Transparenz, Rechenschaftspflicht und politische Meinungsfreiheit gewahrt bleiben, während gleichzeitig faire Wahlen und der demokratische Diskurs in Europa geschützt werden. 

Unser ausführlicher Policy Brief ist hier verfügbar.

Weiterer Lesestoff:

Gastbeitrag: Warum sollten wir uns Sorgen machen über Googles 

Entscheidung, keine politische Werbung mehr in der EU zu schalten?

Im Gespräch mit Who Targets Me | Election Monitoring Talks

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