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Tschechischer Plan einer Datenbank für Psychisch Kranke trifft auf Widerstand

Der Gesundheitsminister Tschechiens plant die Erfassung von Psychisch Kranken in einer speziellen Datenbank. Sowohl Ärzte als auch Rechtsanwälte bezeichnen das als einen sinnfreien und rein populistischen Schritt.

von The League of Human Rights
Image: World Bank - Flickr/CC Content

Psychisch Kranke müssen strengstens beaufsichtigt werden, sagt Svatopluk Němeček, der Gesundheitsminister der Tschechischen Republik. Aus diesem Grund will er eine spezielle Datenbank aufbauen und Ärzte dazu verpflichten, alle Patienten einzutragen, die unter psychischen Erkrankungen leiden. Ein Besuch bei einem Psychiater würde dann ausreichen, um in der Datenbank zu landen.

Der Minister sagt, er wolle Tragödien vorbeugen, bei denen psychisch Kranke andere Menschen angreifen, wie vor kurzem in einer Schule und in einer Bücherei geschehen, zwei Vorfälle bei denen Menschen umgekommen sind.

Werden die Leute noch zum Psychiater gehen?

Das Statement von Minister Němeček wurde sehr kontrovers aufgenommen, nicht nur unter Ärzten sondern auch unter Rechtsanwälten.

"[Dieses Vorhaben] ist absoluter Nonsens. Wir sehen darin eine populistische und völlig unprofessionelle Maßnahme, deren einziger Zweck darin besteht die Tatsache zu verschleiern, dass das Ministerium nicht in der Lage war irgendwelche systematischen Schritte zu unternehmen." So lautete die wütende Reaktion eines Repräsentanten des Nationalen Instituts für Psychische Krankheiten.

Menschen in Datenbanken einzutragen kann seiner Meinung nach gar keine Probleme lösen. Tatsächlich würde es eher das Gegenteil bewirken. Die Menschen würden lieber nicht mehr zu Psychiatern gehen, um zu vermeiden, auf einer Liste zu landen und im Ernstfall hätten Psychiater keine Möglichkeit mehr, sie zwangseinzuweisen.

Eine ähnliche Reaktion kam von dem Vizepräsidenten der Psychiatrischen Vereinigung: "Ich bin natürlich strikt gegen dieses Vorhaben. Es könnte vielen Menschen schaden." Sagte er.

Ein Normales Leben

Nach Aussage eines Anwaltes von League of Human Rights ist die große Mehrheit der Psychiatriepatienten völlig stabil: "Diese Menschen führen ein ganz normales Leben." Sie arbeiten und kümmern sich gut um ihre Kinder und viele von ihnen sind äußerst erfolgreich.

Die Leiterin der League of Human Rights betrachtet daher den Vorschlag, Listen mit potentiell gefährlichen Menschen zu erstellen, als Hexenjagd und nicht als effektive Lösung. "Erstens, es ist schwer vorstellbar nach welchen Kriterien jemand auf die Liste kommen soll, außerdem würde die Stigmatisierung mehr Menschen davon abhalten, sich professionelle Hilfe zu holen." erklärte sie.

Sie wies außerdem darauf hin, dass das Sammeln sensibler Daten in Datenbanken eine Verletzung der ärztlichen Schweigepflicht sowie der Persönlichkeitsrechte der Betroffenen bedeutet. "Die meisten von diesen Menschen haben sich noch nie irgendetwas zu Schulden kommen lassen und wären nur wegen ihrer Diagnose auf dieser Liste.

Nach Ansicht der Experten sollte das Gesundheitsministerium sich lieber um die geplante Reform der psychiatrischen Pflege kümmern und diese erfolgreich zu Ende bringen. Die Reform soll Patienten in Gemeinschaften bringen, die mit ihnen täglich arbeiten und wo ihre Therapie auf eine natürliche Weise kontrolliert wird.

Zwei Angriffe in sechs Monaten

Minister Němeček brachte die Einführung der Datenbank auf, nachdem es in der Tschechischen Republik im Zeitraum von sechs Monaten zu zwei Fällen gekommen ist, bei denen ein psychisch kranker Patient einen anderen getötet hat.

Vor einer Woche wurde ein junger Liberianer von einem Mann erstochen, der aus einer psychiatrischen Klinik entlassen worden ist und im letzten Herbst wurden Studenten einer Wirtschftsakademie von einer Frau, die unter Schizophrenie leidet, angegriffen. Ein sechzehn Jahre alter Student kam dabei ums Leben.

Nach Ansicht des Ministers ist es deshalb an der Zeit, auf das Problem mit einer Datenbank zu reagieren. Ob diese Lösung vernünftig ist bleibt fraglich.