#WeDecide: Warum wollen wir in einer Demokratie leben? Teil 2

Es ist mehr als wahrscheinlich, dass Dein Leben stark von Deinem sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Umfeld abhängt. Wenn Du an den Entscheidungen, die dieses Umfeld formen, nicht teilhaben darfst, hast Du die Kontrolle über Dein Leben verloren.

Letzte Woche haben wir aufgezeigt, dass es zwei mögliche Gründe dafür gibt, in einer Demokratie leben zu wollen. Erstens können wir die Demokratie wollen, weil wir glauben, dass sie gut ist um etwas zu erreichen, was wir erreichen wollen. In diesem Fall unterstützen wir die Demokratie aus instrumentellen Gründen. Und zweitens wollen wir vielleicht in einer Demokratie leben, weil Demokratien moralisch wünschenswert sind, unabhängig von den Zielen, die wir erreichen wollen. In diesem zweiten Fall unterstützen wir die Demokratie aus intrinsischen Gründen. In unserem vorherigen Artikel sind wir auf die instrumentellen Gründe eingegangen, die Menschen für die Unterstützung der Demokratie haben können. Wie versprochen, werden wir jetzt in diesem Artikel näher auf die intrinsischen Gründe eingehen.

Welche intrinsischen Gründe kann es also dafür geben, dass wir die Demokratie unterstützen? Warum ist Demokratie für uns von sich aus aus wertvoll?

Viele glauben, dass sich der Wert der Demokratie aus ihrer Fähigkeit ergibt, jedem von uns zu erlauben, niemanden Anderen als Meister zu haben. Es wäre einfach, Andere nicht entscheiden zu lassen, wie wir leben – wenn wir auf einer ansonsten unbewohnten Insel leben würden. Wenn Du jedoch in einer Gesellschaft lebst, wird Dein Leben stark von Deinem sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Umfeld beeinflusst. Wenn Du nicht an den Entscheidungen teilhaben darfst, die genau dieses Umfeld betreffen, dann werden Andere, nämlich die Menschen, die um Dich herum leben, die Herren deines Lebens sein. Da wir alle ein moralisches Recht darauf haben, frei davon zu sein, dass anderen Menschen über unser Leben entscheiden, sollten wir auch alle an den kollektiven Entscheidungen teilhaben können, die unsere gemeinsame Umwelt betreffen. Und genau das ist es, was in der Demokratie möglich ist.

Andere glauben, dass der Wert der Demokratie aus einer etwas anderen Quelle stammt. Nach dieser Argumentation haben Menschen ein grundlegendes Interesse daran, in einer Gemeinschaft, der sie angehören, gleichberechtigt zu sein. Aufgrund dieses Interesses reicht es eben nicht aus, dass bei Entscheidungen, die unsere gemeinsame Umwelt betreffen, unsere Interessen von Experten oder gar einer KI wirklich gleichermaßen berücksichtigt werden. Unser grundsätzliches Interesse an Gleichberechtigung verlangt danach, dass wir auch öffentlich als gleichberechtigt behandelt werden. Menschen, denen bei der kollektiven Entscheidungsfindung nicht das gleiche Mitspracherecht eingeräumt wird, haben einen guten Grund zu der Annahme, dass sie als minderwertig angesehen werden, so als wären sie nicht in der Lage, selbst zu entscheiden, was in ihrem eigenen Interesse liegt. Darüber hinaus hätten diejenigen, denen kein Mitspracherecht eingeräumt wird, auch einen guten Grund zu der Annahme, dass ihre Interessen, wenn nicht aus anderen Gründen so zumindest aufgrund verzerrter Wahrnehmungen, auf die eine oder andere Weise vernachlässigt werden. Indem die Demokratie jedem von uns öffentlich ein gleichberechtigtes Mitspracherecht bei kollektiven Entscheidungen einräumt, ermöglicht sie es uns, gleichberechtigt zu sein.

Beachte, dass diejenigen, die glauben, dass Demokratie aus einem der oben genannten Gründe wertvoll ist, durchaus der Meinung sein können (aber nicht müssen), dass Demokratie auch für etwas gut ist. Einige mögen sogar glauben, dass die Demokratie fruchtbar ungeeignet ist, wenn man sie nach der Qualität der erlassenen Gesetze beurteilt. Sie können davon ausgehen, dass das Volk oder seine Vertreter mit nur sehr geringerer Wahrscheinlichkeit bessere Gesetze erlassen, als eine nicht gewählte Expertenregierung oder irgendeine künstliche Intelligenz. Nicht, dass das eine typische oder weit verbreitete Einstellung wäre. Aber wenn es um die Frage geht, ob es möglich ist, dass eine andere Regierungsform mit höherer Wahrscheinlichkeit gute Gesetze erlässt, oder in einem anderen relevanten Aspekt besser abschneidet, argumentieren sie, dass der innere Wert der Demokratie ihre instrumentellen Mängel ausgleichen kann.

Beachte auch, dass die oben beschriebenen Ansichten mit der Vorstellung unvereinbar sind, dass die Mehrheitsdemokratie wirklich das ist, was Demokratie IST. Wenn Du davon ausgehst, dass der Wert der Demokratie in ihrer Fähigkeit liegt, dafür zu sorgen, dass wir alle frei davon sind, dass andere über unser Leben entscheiden, oder in ihrer Fähigkeit, dafür zu sorgen, dass wir alle gleichberechtigt sind, kannst Du eigentlich kein Regime unterstützen, das die Tyrannei der Mehrheit erlaubt.

Bist du anderer Meinung? Wir möchten gerne deine Gedanken dazu erfahren. Hinterlasse einen Kommentar unter unserem Facebook-Post und erzähle uns und den anderen Lesern, aus welchen Gründen DU die Demokratie wertschätzt. Und schau nächste Woche wieder vorbei, wenn wir uns in einem weiteren Artikel dieser Serie mit direkter Demokratie und Mehrheitsentscheidung auseinandersetzen.