Schutz der Online-Privatsphäre - Jede Stimme zählt

Die Online-Werbeindustrie verletzt systematisch die Privatsphäre der Nutzer. Liberties hat eine Petition gestartet und drängt auf eine Veränderung - in diesem Artikel erklären wir wo die Probleme liegen und was wir dagegen unternehmen.

Wenn die Privatsphäre für alle sichtbar ist

Wenn Menschen online gehen, sehen sie normalerweise verschiedene Anzeigen. Diese Anzeigen können auf sehr spezielle und persönliche Interessen zugeschnitten sein. Woher wissen die Werbetreibenden aber beispielsweise, was für Medikamente jemand gerade suchen könnte?

Die Antwort sind Cookies. Mit ihrer Hilfe sammeln Unternehmen Informationen über das Online-Verhalten. Wenn sie über genügend Daten verfügen, können sie eine ganze Reihe von sehr persönlichen Daten über eine Person ableiten. Hobbys, gesundheitliche Probleme, Religion, sexuelle Interessen, politische Präferenzen und vieles mehr.

Um den Werbetreibenden zu finden, der am besten bezahlt, werden Nutzerprofile an Tausende von Unternehmen gesendet. Basierend auf diesen Profilen bewerten Unternehmen die Menschen und entscheiden in Millisekunden, wer ein potenzieller Kunde sein könnte. Wenn sie dabei auf gute Kandidaten stoßen, bieten sie um das Recht, diesen Personen eine Anzeige zu zeigen. Wer das beste Angebot macht, darf für eine bestimmte Gruppe von Menschen Werbung schalten. Dieses System wird als Real-Time Bidding (Echtzeit-Bieten) oder RTB bezeichnet.

Echtzeit-Bieten ist echt problematisch

Die Anzeigen passen mal mehr, mal weniger gut. Aber das ist nicht der Punkt, auch wenn es das das Einkaufen im Urlaub manchmal einfacher macht. Das Problem ist, dass die an der Online-Werbebranche beteiligten Unternehmen ohne Zustimmung Zugang zu personenbezogenen Daten erhalten. Das Problem ist, dass die Benutzer keine Kontrolle darüber haben, was mit ihren Daten passiert, wenn diese in den Äther geblasen werden.

Die Unternehmen, welche die Daten erhalten, sammeln sie nicht nur, sie missbrauchen sie auch. Erinnerst Du dich an den Skandal um Cambridge Analytica? Wenn du dein Gedächtnis auffrischen willst, könntest du Dir zum Beispiel den Dokumentarfilm 'The Great Hack' ansehen. Ähnliches kann mit Hilfe der kontinuierlich aus dem Echtzeit-Bietssystem sickernden Daten immer wieder passieren.

Deine Daten sind Deine Sache und Du kannst sie schützen.

Bei Liberties wissen wir, dass die Art und Weise, wie Real-Time Bidding funktioniert, gegen das EU-Datenschutzgesetz, die DSGVO, verstößt. Deshalb haben wir beschlossen, Google und IAB Europe (dem europäischen Verband der digitalen Marketing- und Werbeindustrie), aufzufordern, die Verletzung unserer Privatsphäre einzustellen. Dieser Forderung solltest Du Dich anschließen. Deine Daten sind Deine Sache.

Liberties hat eine Petition (Link) gestartet, in der eine Korrektur der Standards der verhaltensorientierten Werbebranche gefordert wird. In dieser Petition bitten wir und die Datenschützer, die die Petition unterzeichnen, die Standardgeber der Online-Werbebranche die Privatsphäre der Nutzer zu respektieren und eine datenschutzfreundliche Lösung für Online-Werbung zu entwickeln.

Google und IAB Europe müssen ihre Standards ändern, die Verwendung personenbezogener Daten einschränken und sicherstellen, dass personenbezogene Daten nicht an potenzielle Gesetzesbrecher weitergegeben werden.

Jede Stimme zählt. Unterschreibe die Petition und verteidige Deine Privatsphäre.

Dies ist nicht die erste Aktion gegen RTB. Bereits im Juni 2019 haben Liberties und seine Partner bei 13 nationalen Datenschutzstellen in 9 Ländern eine Reihe von Beschwerden eingereicht und sie aufgefordert, Ermittlungen im Bereich der verhaltensorientierten Werbung einzuleiten. In 16 EU-Mitgliedstaaten laufen derzeit Verfahren: Belgien, Bulgarien, Tschechische Republik, Estland, Frankreich, Deutschland, Ungarn, Irland, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Polen, Portugal, Slowenien, Spanien und das Vereinigte Königreich. Die meisten davon verwiesen ihre Fälle an die irische Datenschutzkommission, die eine Untersuchung gegen Google Ireland eingeleitet hat. Das Büro des britischen Datenschutzbeauftragten (UK Information Commissioner's Office) ist ebenfalls aktiv in diesem Bereich und hat bereits einen Zwischenbericht über AdTech und Realtime-Bidding veröffentlicht.

Für weitere Informationen zu diesem Thema schau bitte auf die Kampagnenseite von Liberties.